Das Aufstandsjahr 2008 und die Olympischen Spiele

von Wangpo Tethong1

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Die Annahme, dass die Hauptursache für den Tibet Aufstand im Jahre 2008 (das von manchen als “Unruhen” bezeichnet wird) Gefühle der Diskriminierung, besonders unter den Jugendlichen in Tibet und ihr Drang, sich politisch zu äussern, sind, ist weit verbreitet. In diesem Text soll jedoch dargelegt werden, dass eine mehrjährige Kampagne von Tibet Aktivisten zur Erwartung beitrugen, dass die Spiele 2008 eine einzigartige Gelegenheit darstellten, um auf China mit verschiedenen Formen des politischen Protests Druck auszuüben. Die chinesische Regierung reagierte auf diesen Aufstand – deren Ausmass alle überraschte – zuerst mit einer Beschuldigung des Dalai Lama, diese Proteste angestiftet zu haben und dann mit einem Gesprächsangebot an die exiltibetischen Vertreter. Die chinesische Führung wartete den Abschluss der Spiele ab und erklärte dann, dass sie kein Interesse mehr an Gesprächen mit dem Dalai Lama, dem in Exil lebenden geistlichen und politischen Oberhaupt Tibets, hat.


 

Ein langer Prolog

Wir haben bereits einen achtstündigen Flug aus Zürich hinter uns. Grönland und die endlosen Weiten des kanadischen Westens haben wir überflogen und neben mir sitzt Dhondup Wangchen, der auf die Rocky Mountains hinunter starrt. Was er wohl denken mag. In wenigen Stunden wird er nach zehn Jahren der erzwungenen Trennung seine Familie in die Arme nehmen. Damit wird an diesem Weihnachtsabend des Jahres 2017 für seine Familie eine Geschichte der schmerzlichen Ungewissheit ein Ende nehmen.

Dhondup Wangchen gilt als einer der Gesichter aus dem Jahr 2008, die den an Tibet interessierten Menschen am besten in Erinnerung geblieben sind.  Zu seiner Bekanntheit hat ein 26-minütiger Dokumentarfilm (“Leaving Fear Behind”) und die weltweite Freilassungskampagne für ihn beigetragen.2 Das Bild des Mannes, der in einem verwaschenen grauen T-Shirt, im Takt seiner auf seinen Oberschenkel schlagenden Hand, in klaren und kurzen Sätzen in die Kamera spricht, hat im kollektiven Gedächtnis der Tibet-Bewegung einen Platz gefunden.

Tausende von Tibetern hatten sich in den Monaten März und April 2008 mit ungeheurer Energie und Mut zu einem nationalen Aufstand erhoben. Die Filmaufnahmen für “Leaving Fear Behind” wurden vor dem Aufstand erstellt und berichteten über das, was diese Menschen bewegte. Der Film wurde damit zu einem wichtigen Erklärstück für die Situation in Tibet und des tibetischen Widerstands: Er spricht von der Scheinheiligkeit der Olympischen Spiele, von der Unterdrückung und von der Rücksichtslosigkeit, mit der China sich Tibet Stück um Stück einverleibt. Für die jungen Frauen und Männer, den Mönchen, den Nomaden und den Bauern, die im Film zu Wort kamen wie für Dhondup Wangchen selber ist klar, dass nur die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet dieser Tragödie ein Ende setzen kann.

Der Aufstand hatte epochalen Charakter für Tibet. Einen solchen Aufstand hatte das tibetische Hochland seit 1959 nicht mehr gesehen. Ein Blick in die Aufzeichnungen von Tsering Woeser, einer tibetische Schriftstellerin und Bloggerin, die das ganze Aufstandsjahr minutiös dokumentiert hat, zeigt welche Dramatik sich in diesem Jahr entfaltete.3 Weder vorher noch nachher erhielt das Thema Tibet international in Medien und Politik eine solche Aufmerksamkeit.4

Die Proteste waren intensiv, erstreckten sich über das ganze tibetische Hochland und in der Regel sehr friedlich. Dennoch griffen die Sicherheitsleute rücksichtslos durch. Je nach Quellen wurden 140 oder 219  Tibeter von den Sicherheitskräften getötet.5 Die Proteste in Tibet und die nachfolgenden Solidaritätsaktionen gegen den olympischen Fackellauf waren von ungekannter Heftigkeit. Eine Serie von Spezialsendungen im Staatsfernsehen schürte die offene Feindseligkeiten zwischen den Volksgruppen. Viele Menschen in China gaben sich einem aggressiven von der Regierung geschürten Nationalismus hin.

Auf der anderen Seite gab es chinesische Anwälte6 und später Intellektuelle, die offen Partei für die Tibeter ergriffen.7 Der massive Militäreinsatz und die “politische Erziehungsmassnahmen” in Tibet und in China selber raubten dem Aufstand in Tibet die Luft zum Atmen. Die Erdbebenkatastrophe vom 9. Mai 2008 in China veränderte die Kommunikation über die Spiele grundlegend: China war auf einem Schlag nicht mehr Täter sondern Opfer.

Die Premiere von Leaving Fear Behind fand kurz vor den Olympischen Spielen in Peking unter klandestinen Umständen statt. Ben Blanchard von Reuters berichtete am 6. August 2008: «The film, “Leaving Fear Behind,” was shown to a small group of foreign reporters in a dingy hotel room in central Beijing, not far from Tiananmen Square.»8  Die Vorsicht war berechtigt. Eine Aufführung im grösseren Rahmen wurde gleichentags von der Polizei gestürmt. Dhondup Wangchen und sein Helfer Golog Jigme befanden sich zu der Zeit in Haft. Beide hatten bereits mehrfach extrem brutale Verhöre über sich ergehen lassen müssen, ohne dass die chinesischen Befrager erfuhren, dass der Grund ihres Schweigens ein Film ist, der zum ersten Mal einen sehr tiefen und unverstellten Blick in die Herzen der Tibeterinnen und Tibeter  in Tibet erlaubte.9

Als der Film zwei Tage vor der Eröffnung der Olympischen Spiele gezeigt wurde, ging die Tibet-Olympia-Kampagne mit grossen Schritten auf ihr Ende zu.  Am gleichen Tag und in den Tagen darauf fanden in Peking von langer Hand vorbereitete Aktionen von Tibet Aktivistinnen und Aktivisten mehrheitlich aus den USA und Europa statt.10 Diese Proteste bildeten den Abschluss einer Reihe von politischen Aktionen, mit deren Deutung die Tibeter, Tibeterinnen und ihre Führung sich immer noch schwer tun.11

 

Von Sabotageakt bis Revolution – Kollidierende Sichtweisen

In den ersten Tagen nach dem 10. März 2008 herrschte eine nie dagewesene Euphorie bei den Tibeterinnen und Tibeter, Erstaunen bei den ausländischen Beobachtern und Ärger bei der chinesischen Führung. Aus Tibet folgten Tag für Tag Meldungen von immer spektakuläreren Protesten. Immer grössere Menschenmassen gingen auf die Strasse. Nicht nur in Tibet, sondern überall in China, wo Tibeter und Tibeterinnen leben. Die Supermacht China schien in diesen Tagen, die Kontrolle über das tibetische Hochland zu verlieren. Mutige Journalisten sorgten dafür, dass Bildberichte entstanden, die weltweit über die Bildschirme flimmerten. Die Sympathien sind einseitig verteilt: Sie gehörten den TibeterInnen und Tibet.

Für die Chinesischen Behörden stellte sich der Fall sehr einfach dar. Am 18. März 2008 trat der chinesische Premierminister Wen Jiabao in Peking vor die Medien und stellt fest, dass die “Dalai Clique” diese Aufstände  angestiftet hat:“There is ample fact and plenty of evidence proving this incident was organised, premeditated, masterminded and incited by the Dalai clique.”12 Der Dalai Lama reagiert gleichentags mit einer Pressekonferenz in seinem indischen Exil in Dharamsala.13 Er stritt nicht nur jede Beteiligung ab, sondern lud die chinesische Führung nach Dharamsala ein, um sich vor Ort zu vergewissern, dass ihre Vorwürfe unberechtigt sind.

Die Gemütslage des Dalai Lama war in diesen Tagen nicht gut. Das Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel gibt einen tiefen Einblick in seine damalige Verfassung. Seine erste Reaktion auf die Nachrichten aus Tibet ist Fassungslosigkeit: “Ich habe geweint. Ich saß mit dem Ministerpräsidenten unserer Exilregierung zusammen, und wir haben uns beide die Tränen aus den Augen gewischt. So viel Leid, so viel Verzweiflung. Ich war einfach nur traurig, tieftraurig.”14

Es ist deutlich, dass der Dalai Lama in diesen Tagen, sich eher als Getriebener, denn als Akteur gefühlt haben muss. Einen effektiven Einfluss auf die Ereignisse hatte er nicht. So blieb ihm eine beobachtende Position vorbehalten, aus der er die Vorgänge in Tibet mit Sorge verfolgte. Zu den vereinzelten Gewalttaten der Demonstranten meinte er: “Ich verurteile das, und es macht mich traurig, wenn meine Landsleute so handeln – auch wenn es sicher aus tiefsitzender Ernüchterung und Verzweiflung heraus geschehen ist, im eigenen Land nur Bürger zweiter Klasse zu sein. Eine Entschuldigung für Gewalt ist das nicht. […]”  Er liess aber keine Zweifel offen, wen er für die wahren Opfer und Täter hielt: “Aber sicher ist eines: Es waren vor allem unschuldige Tibeter, die unter der Brutalität der Polizisten und des Militärs gelitten haben.”

Für die Aktivisten, jungen Tibeterinnen und Tibetern, unter denen einige wenige für einen gewaltsamen Weg eintraten, empfand er väterliche Milde aber wenig Vertrauen: “Natürlich verstehe ich die Ungeduld der Jungen. Aber sie haben kein Konzept, nur Emotionen.”

Heute, zehn Jahre später und in Kenntnis aller Fakten wird er wohl seine Meinung revidieren müssen. So ganz ohne politisches Kalkül und Konzept war der Protest nicht. Die jungen Tibeterinnen und Tibeter in- und ausserhalb Tibets haben wesentlich dazu beigetragen, dass in den Tagen des olympischen Fackellaufes die ganze Welt von Tibet sprach. Erst diese Aufmerksamkeit liess seinen Ruf nach internationaler Solidarität einen Widerhall finden. Auch wenn er diesem Zusammnhang nicht nennt, räumt er doch ein: “Aber natürlich hat der internationale Druck auf Peking gewirkt. Ich kann nur jede freie Gesellschaft, gerade auch Deutschland, ermutigen, diesen Druck weiter aufrechtzuerhalten. Die ganze Welt muss uns helfen. Die Chinesen sind sehr wohl um ihr internationales Ansehen besorgt.”15

Freilich kam niemand aus Peking nach Dharamsala und es hat auch keine internationale Untersuchung der Vorgänge in Tibet stattgefunden, wie es sich der Dalai Lama gewünscht hat. Auch hat sich an der Deutung Pekings, dass der Aufstand aus dem Ausland gesteuert wurde, seither nichts geändert. Im Jahr 2015 verschärfte die chinesische Regierung in einem umfassenden Weissbuch zu Tibet die Vorwürfe sogar: Moreover, he has planned and instigated activities of sabotage, including violent disturbance during the Beijing Olympic Games, violence in Lhasa on March 14, 2008, and incidents of self-immolation.”16

Der Dalai Lama zog sich aber nicht nur den Unmut Pekings zu. Aus ganz anderer Richtung kam Kritik gegen ihn und die exiltibetische Regierung. Die Äusserung des Dalai Lama den Marsch nach Tibet zu stoppen und sein dramatischer Appell an die Tibeterinnen und Tibeter in Tibet, keine Gewalt anzuwenden ist einigen im Exil lebenden Tibeter die falsche Nachricht zur falschen Zeit. Jamyang Norbu brachte es auf die Kurzformel: “Don’t stop the revolution, Step out of the way.”17

Gongmeng, eine Gruppe von chinesischen Akademikern, forderte im Nachgang zu den Protesten, dass die sozialen und ökonomischen Ursachen verstanden werden müssten und wagten sogar eine Kritik an die Partei, die ihre Tibetpolitik überdenken müsse. Gleichzeitig barg eine solche Forderung den Wunsch in sich, dass man diesen politischen Aufstand in soziale Unruhen umdeutete, die keine politische Programmatik verfolgt. Die mitgeführten tibetischen Nationalfahnen und Plakate sprachen jedoch eine deutlich andere Sprache. Auf den Plakaten heisst es: “Wir haben keine Meinungsfreiheit”,  “Friede und Demokratie – Wir wollen für die Opfer unseres Volkes beten”, “In Solidarität mit den Menschen in Tibet” und “Seine Heiligkeit soll kommen – Kampf für die Freiheit.”18 Die Parolen lauteten: “Lasst nicht so viele Chinesen nach Tibet”, “Lang lebe der Dalai Lama” und “Free Tibet”19

Der über 200 Seiten lange Bericht der Central Tibetan Administration (CTA) aus dem Jahr 2009 räumt der Argumentationslinie der chinesischen Akademiker viel Raum ein. Er zitiert unter anderem die Gruppe Gongmeng, die über das Aufstandsjahr folgendes sagt: “Understanding is a pre-condition for discussion, unity and development. If the promotion of healthy development in Tibetan areas is truly desired then there must be a change in thinking and an adjustment in thinking behind the current nationality theories and policies.”20 Die chinesische Regierung sei mit ihrer Tibet-Politik gescheitert, weil sie keine angemessene Autonomiepolitik realisiert habe, meint der Bericht. Angereichert wird die Analyse mit der Bemerkung, dass es viele Ursachen gegeben habe und dass China die Sonderstellung der tibetischen Kultur und ihres Geistes zu wenig beachtet habe. Für die Autorinnen und Autoren scheinen allerdings Tibeterinnen und Tibeter, die als politische Akteure mit einer politischen Haltung, planvoll auf die Vorgänge in der Welt reagieren, kein Thema zu sein.21

In einer kürzlichen Radio-Diskussion über den Aufstand mit Kunga Tashi, einem China-Experten der CTA und Dhondup Wangchen kreiste die Diskussion über das Jahr 2008 – was sehr typisch für die Diskussionen in diesem Jahr ist – vor allem über die politischen Folgewirkungen des Aufstands.22 Drei Beobachtungen standen dabei im Mittelpunkt: 1. Die tibetische Jugend wurde in bislang unbekanntem Ausmass politisch mobilisiert, 2. Die Proteste weiteten sich schlagartig auf dem ganzen Hochland aus führten zur internationalen Solidarität 3. Die Wahrnehmung des tibetischen Kampfes wurde damit in China aber auch in Tibet selber massiv verändert. Basierend auf dieser Schlussfolgerung ist es naheliegend die über 150 Selbstverbrennungen seit 2008 als eine Weiterführung dieser Proteste zu sehen, die nunmehr statt einer kollektiven Form einen individuelleren Charakter angenommen haben.23

Hier soll der Versuch unternommen werden, eine andere bislang vernachlässigte Sichtweise zur Geltung zu bringen. Im Zentrum steht die Frage, welche Vorbedingungen und welche auslösenden Ursachen für den 2008 Aufstand und seine unglaubliche Dynamik verantwortlich sind. Dies soll nicht nur aus historischem Interesse geschehen, sondern mit dem Ziel, die politische Kampagnenarbeit der Tibet-Bewegung zu reflektieren.

Jeder Aufstand hat einen Anfang

Man kann jede politische Aktion, selbst wenn sie von einer Gruppe durchgeführt wird, als eine individuelle Entscheidung auffassen. Dazu gehört das Abwägen von Chancen und Gefahren, die mal mehr mal weniger emotionalen oder rationalen Charakter haben können. Das gilt für Menschen in Tibet und weltweit. Im Falle Tibets kommt die reale oder als solche wahrgenommene Situation in Tibet hinzu: Haben sich die sozialen und ökonomischen Parameter verschlechtert?  Ist die Unterdrückung und Ungerechtigkeit unerträglicher geworden oder ist man Teil einer zunehmenden politischen Bewusstwerdung (welche sich in Form von politischen Liedern, etc. ausdrücken kann) und wie verändert sich die Wahrnehmung der politischen Lage?

Damit ist noch nicht der Auslöser für den Aufstand benannt, der in einem konkreten zeithistorischen Kontext wirkt. In unserem Fall waren es die olympischen Spiele. Die Vermittlung dieses Anlasses als günstige Gelegenheit des Protests wurde bereits früh durch eine Rhetorik der Dringlichkeit und Empörung gestützt: „Wie kann es sein, dass in Peking sich die Jugend der Welt zum friedlichen und sportlichen Miteinander trifft, während in Tibet Unterdrückung herrscht.“ So und ähnlich lautete die Botschaft der TibetaktivisInnen in- und ausserhalb Tibets und sollte dazu führen, dass die moralische Fragwürdigkeit der Spiele angeprangert wird. Die Verurteilung eines Doublestandards ist wirkungsvoll und folgt unserem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden. Der Autor erinnert sich, dass dieser Gedanke in den Berichten und Interviews von Radio Free Asia (RFA), Voice of America (VOA) und Voice of Tibet (VOT)  immer wieder genannt wurde. Spätestens nach den Athen Aktionen im 2004 und dann nach der Tiananmen-Aktion einer exiltibetischen Gruppe mit dem Slogan “Hu, You Can’t Stop Us” im 2006 war das Thema Olympia in den tibetischen Medien präsent und hat vermutlich auch zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit in Tibet beigetragen.24

Desgleichen hatte in Tibet selber frühzeitig eine Diskussion über die Spiele eingesetzt. Jedenfalls erschienen im 2005 erste Publikationen, die die Olympischen Spiele zum Thema hatten. Von Tibetern aus Tibet wurde nachträglich auch bestätigt, dass zum Beispiel die Tibet Olympia Aktion von 2006 in Peking wahrgenommen wurde. Golog Jigme besteht aber darauf, dass bereits ab 2001 die Olympischen Spiele in Tibet ein Thema waren. Die Aktivitäten im Exil hätten jedoch seiner Meinung nach keinen entscheidenden Einfluss gehabt. Spätestens in 2006 und 2007 seien im Untergrund auch Schriften im Umlauf mit Slogans gegen die Olympischen Spiele gewesen und man habe sich auch Gedanken und Pläne über Proteste gemacht.25 Er habe in seiner Region auch Flugblätter gesehen, die die Olympischen Spiele zum Thema hatten.

In einem dieser Schriften wird sehr konkret und mit grosser Überzeugung zum Protest aufgerufen:  

„Es sollte uns klar sein, wie wir uns im Hinblick auf das Jahr 2008 zu verhalten haben. Wer ein Tibeter ist, sollte sich bewusst sein, welchen unermüdlichen Einsatz Seine Heiligkeit der Dalai Lama in den vergangenen 70 Jahren für das tibetische Volk und seine Nation erbracht hat. Es muss hier nicht ausgeführt werden, dass die chinesische Regierung den Panchen Lama unter Zwang festhält. Angesichts dieser Situation, wäre es traurig, wenn man als Tibeter sich so verhält, wie, wenn man nichts hören und spüren würde. Die tibetische Nation wird gewaltsam unterdrückt und ihrer Reichtümer beraubt. Der Tod vieler unserer Brüder und Schwester wird eine Wunde in unserer Geschichte bleiben, die wir nie vergessen dürfen. Der Dalai Lama und mit ihm 150000 Tibeter sind gezwungen in entfernten Ländern zu leben. Viele unserer Brüder und Schwester sind in dunklen Gefängnissen eingekerkert. Wir wissen das. Seit fünf sechs Jahren erhalten alle Schulabgänger eine Arbeitsstelle. Wir wissen, dass das nur eine List und Ablenkung ist. Deshalb und weil wir alle erkennende Menschen sind, lasst uns daran erinnern, dass wir beim tibetischen Freiheitskampf nicht abseits stehen dürfen. Sollte Tibet [bis zu den Olympischen Spiele, Anm. des Autors] keine Freiheit erlangt haben, haben wir die Verantwortung zu protestieren, damit die Olympischen Spiele in China nicht stattfinden. Es liegt an uns, junge Tibeterinnen und Tibeter, dass wir diese Gelegenheit nicht an uns vorüber ziehen lassen. Es liegt an uns Tibetern in Tibet, den Menschen in der Welt zu zeigen, wie die wahre Situation in Tibet ist”.26

Ein weiteres Indiz dafür, dass das Thema der olympischen Spiele in Tibet relativ breit debattiert wurde, sind die Aussagen der Personen im Leaving Fear Behind: „Diese Spiele sind nur für die Chinesen. Wir haben hier nichts zu feiern.“ Oder an anderer Stelle heisst es im Film: „Die Menschen aus aller Welt werden zu diesem friedlichen Fest eingeladen, uns ist aber nicht erlaubt, daran teilzunehmen.“27 Es ist das Verdienst von Leaving Fear Behind, diesen Äusserungen einen öffentlichen Raum geschafft zu haben. Es sind Aussagen, die ohne diesen Film nie dokumentiert worden wären.

Ein Tibeter aus der Schweiz, der Tibet regelmässig besucht, bestätigt diese Stimmung und geht sogar einen Schritt weiter: “Im Sommer 2007, als wir in Amdo und Kham waren, herrschte dort bereits eine sehr angespannte Stimmung vor. Zum einen wegen Ronge Adrak, der in Litang bei einem Reiterspiel öffentlich die chinesische Führung attackiert hatte und zum zweiten, wegen diverser Aktivitäten der Landsleute im Exil. Sie waren allesamt gut informiert und mir war daher bereits 2007 klar, dass die Situation in Kürze explodieren wird.”28

Innerhalb Tibets, besonders unter den Jugendlichen, wuchs das Gefühl in allen Lebensbereichen diskriminiert zu werden. Die Goldmedaille des Kongresses für den Dalai Lama im Jahr 2006 erweckte den Eindruck, dass die tibetische Sache international große Unterstützung findet.  AktivistInnen aus dem Exil trugen zur Einschätzung bei, dass die Spiele 2008 eine konkrete Gelegenheit sein würden, ihre Frustration effektiv zum Ausdruck zu bringen. So erhielt die Frustration ein Datum und das Warten auf die Olympischen Spiele entwickelte sich zu einem Drama. Die chinesische Regierung und die Organisatoren der Spiele trug das ihre zu diesem Drama bei, indem sie ihre pro-olympische Propaganda beschleunigten.

 

Der erste Akt: Die Suche nach einer Strategie

Im Mai 2006 versammelten sich 18 Tibet-Gruppen in Dharamsala, um ihre Aktivitäten für die Olympischen Spiele 2008 zu diskutieren und zu koordinieren.29 Es war bereits das vierte Treffen der Arbeitsgruppe.30 Zwei Aktionen hatten in China bereits stattgefunden und die Bereitschaft, in Indien eine Olympia-Kampagne zu starten, war spürbar. In der Arbeitsgruppe herrschte eine Vorfreude und ein Wettbewerb für kreative Aktionsformen. Tagsüber fanden die Planungssitzungen statt und am Abend gab es gut besuchte öffentliche Veranstaltungen im Saal des Club House Himachal in McLeod Ganj.

In der Arbeitsgruppe wurde intensiv darüber diskutiert, Proteste innerhalb Chinas durchzuführen. Während es klar war, dass einige Gruppen aus Europa und den USA im August 2008 besseren Zugang nach Peking haben werden, mussten Gruppen aus Indien eine andere Strategie suchen. Die fünf wichtigsten exiltibetischen NGOs in Indien beschlossen, ihre Ressourcen in Indien zu konzentrieren.

Die Führung des Tibetan Youth Congress (TYC) – die grösste exiltibetische Gruppe – hatte zu der Zeit interne Führungsprobleme und war deshalb eher unregelmässig an den Sitzungen vertreten. Im August 2007 fand dennoch auf ihre Initiative hin die weitaus grösste exiltibetische Kundgebung in der indischen Hauptstadt Delhi statt. Für die einen war die vom Tibetan Youth Congress angeführte Kundgebung ein voller Erfolg, für die anderen angesichts der chaotischen Organisation ein Reinfall, von dem sich der TYC bis heute nicht erholt hat. Eine nachhaltigere Wirkung erzielte allerdings die Aktion „Return to Tibet“: Tibetische Flüchtlinge sollten in Massen ihren Wunsch nach Tibet zurückzukehren wahrmachen.31 Die Aktion führte bereits im Vorfeld zu vielen Medienberichten und kann als einer der wichtigsten Faktoren betrachtet werden, der innerhalb Tibets die Menschen inspirierte.

Dem Treffen in Dharamsala gingen eine Reihe von Aktionen, Sitzungen und Treffen der Tibet-Gruppen voran, die massgeblich dafür waren, dass bis 2006 eine Strategie formuliert werden konnte. Es herrschte von 2001 bis etwa 2005 ein grosses konzeptionelles Durcheinander und jeder schien der Meinung zu sein, eine bessere Strategie und einen überzeugenderen Slogan als die andere Gruppe zu haben. Zu Beginn hatte die Einhaltung von Menschenrechtsstandards einen grossen Teil der Kampagnenkommunikation ausgemacht. Gemäss des ersten ITSN Strategieentwurfs aus dem Jahr 2002 sollten die Ziele sein: “Link public focus on Beijing 2008 with human rights and the movement to free Tibet. 2. Gain commitment from International Olympic Committee (IOC) that human rights monitoring and accountability will be included in process leading up to Beijing Olympic. 3. Achieve greater freedom for foreign media to operate in Tibet and China”.32

Die Diskussion über die Ziele der Kampagne dauerte über zwei Jahre. Während dieser Zeit fanden die ersten Proteste statt. Rückblickend war es von grösster Bedeutung, dass bereits früh mit den Kampagnen Aktivitäten begonnen wurde. Das half auch unter den eigenen Unterstützerinnen und Unterstützern, Geldgebern und in den eigenen Organisationen Mittel zu sichern. Mit hoher Sicherheit war die Tibet Olympia Kampagne das Projekt, welches insgesamt den grössten Einsatz an finanziellen Mitteln in der modernen Geschichte des tibetischen Aktivismus ausgelöst hat.33

Die erste internationale Olympia Aktion gegen die Spiele 2008 fand beim IOC Delegiertentreffen in Moskau in 2001 statt.34 Aktivisten aus der Schweiz, den USA, England und Indien waren vor Ort, um die Kandidatur Pekings zu verhindern und lösten mit ihrem Protest einen internationalen Mediensturm aus35. Zum ersten Mal hatte es eine tibetische Aktivistengruppe geschafft, weltweit die Schlagzeilen zu besetzen. Entsprechend enthusiastisch war die Stimmung unter den Tibet-Aktivistinnen.

Der Slogan der Moskau Aktion lautete: “China Plays Games With Human Rights”. Die Kommunikation nach Aussen litt darunter, dass verschiedene Slogans im Umlauf waren. Es herrschte Wildwuchs. Es gab Gruppen, die offen zum Boykott aufriefen oder es in einen konditionalen Zusammenhang setzten: “No Olympics for China Until Tibet Is Free”. Andere wiederum wählten “Race for Tibet” und verzichteten damit auf eine erkennbare politische Aussage. Kurz vor den olympischen Spielen in Athen wechselte man auf „Athen yes, Beijing no“ um. Schliesslich einigte man sich am internationalen Unterstützungstreffen in Brüssel im 2007 auf „Bring Tibet To The 2008 Games“, was eine subtile Doppeldeutigkeit hatte, die wiederum nicht allen gefiel. Als eine der aktivsten Gruppen legte sich Students for a Free Tibet in Anlehnung an das offizielle Slogan auf „One World, One Dream, Free Tibet“ fest.

So unmöglich es war, sich auf einen gemeinsamen Slogan zu einigen, so zäh und schwierig verliefen die Bemühungen, eine gemeinsame Strategie zu formulieren.36 Im Gegensatz zur Slogansuche gelang es aber der Olympia Arbeitsgruppe sich bezüglich der Kampagnenzielsetzung in 2005 auf einen Minimalkonsens zu einigen, der von hoher politischer Wichtigkeit war: Die Bühne, die sich uns im Form der Spiele bot, wollten die verantwortlichen Campaigner dazu nutzen, dass die chinesische Regierung unter Druck gesetzt wird.37 Sie einigten sich intern auf eine kühne Formel, die an Peking gerichtet war: “Either you start to work for a political solution of the Tibetan issue or we will be there in 2008 and spoil your big party”.38 Mit dieser Formulierung hatten sie endlich ihre internen Streitigkeiten, ob nun Unabhängigkeit oder Autonomie das Endziel sei, eine Debatte, welche die Exilgruppen politisch bis heute lähmt, hinter sich gelassen. (Von Boykott war vorerst nicht mehr die Rede. Das sollte sich aber zwei Jahre später im März 2008 wieder ändern.) Obwohl die Arbeitsgruppe sehr viele Gruppierungen umfasste, konnte sie nicht alle Meinungen abbilden. Das führte wie in jeder Grassroots-Bewegung dazu, dass jede Gruppe im Zweifelsfall das tat, was ihr am besten gefiel.

Um der Drohung von Aktionen vor Ort auch Nachdruck zu verschaffen, brauchte es der Überzeugung der Arbeitsgruppe nach einen Tatbeweis. Am besten in Form von Aktionen, die in China selber stattfinden. Diese wurden dann tatsächlich in 2004, 2006 und 2007 ausgeführt. Man kam zur Gewissheit, dass Aktionen hinter der Grossen Mauer möglich sind. Gegenüber Peking war somit klar kommuniziert, dass die Tibet-Gruppen im August 2008 in Peking sein werden. Diese Drohung hatte eine psychologische Komponente, die den Kern der Kampagne ausmachte.

Die Kampagne hatte damit endlich eine plausible Logik: Die Gruppen hatten nämlich nicht nur erkannt, dass die chinesische Regierung sich mit den Spielen in eine erpressbare Situation manövriert hatte und es nicht darum ging, nur während der Spiele einige aufsehenerregende Aktionen durchzuführen, sondern dass die Aktionen ihre grösste psychologische Wirkung im Vorfeld erzeugen werden. Der chinesischen Regierung musste vor Augen geführt werden, dass sie es in ihrer Hand hat: Wollen sie störungsfreie Spiele, sollte sie Hand zu einer politischen Lösung des Tibetproblems bieten.

Da die ITSN darauf achten musste, dass die Empfindlichkeiten der CTA nicht verletzt werden, einigte man sich darauf, die Aktionen in China als “individual non-ITSN Actions” zu bezeichnen.39 Die “ITSN coordinated activities” betrafen u.a. die Proteste gegen den olympischen Fackellauf und die Team Tibet Aktivitäten, die bereits im 2007 anliefen und eine hervorragende Resonanz in der Öffentlichkeit hatten. Hier ist besonders die Gruppe der tibetischen Athleten zu nennen, die sich zu einem Team Tibet zusammenschlossen. Ihre Forderung an den IOC war einfach: Wir wollen auch an die Spiele!40 Als die Proteste im März 2008 in Tibet ausbrachen, war leider Schluss mit diesen Aktivitäten. Angesicht der vielen Toten in Tibet war die Aufrechterhaltung der Forderung nach einer Teilnahme an den Spielen nicht vermittelbar. Damit verschwand die leichte und kreative Note der Kampagne, die sehr viel mediale Sympathie erzeugt hatte.41

Während dieser ganzen Zeit gab es seitens der CTA und ihrer damaligen Führung praktisch kein Interesse an die Spiele 2008 und die gelegentlichen Journalistenfragen an den Dalai Lama führten dazu, dass er sich im Vergleich zu 1991 mit kritischen Bemerkungen zurückhielt. Die chinesische Regierung kritisierte ihn dennoch öffentlich. Worauf sein Büro am 8. März 2008, also wenige Tage vor dem Aufstand, offiziell erklärte: “On the issue of the Beijing Olympics, it is common knowledge that his Holiness the Dalai Lama has consistently supported the right of China to host the 2008 Olympic Games.”42

In der Rückschau wird eine gewisse Sorglosigkeit der Kampagnenverantwortlichen deutlich, dass die Ziele insgesamt sehr ehrgeizig, ja utopisch, hoch gesetzt waren, aber während der Planung nie die Möglichkeit eines grossen Aufstandes in Tibet in Betracht gezogen wurde. Die Ereignisse, welche sich nach dem 10. März 2008 entfalteten, waren deshalb für sie eine Überraschung.

 

Der zweite Akt: Das Ausmass der Proteste überrascht

Die Heftigkeit der Proteste in Tibet hat alle überrascht. Es darf getrost vermutet werden, dass niemand, nicht die Chinesische Führung, der Dalai Lama und die AktivistInnen im Traum so etwas vorhergesehen haben. Es ist zwar bezeichnend für die in Peking herrschende Stimmung, anzunehmen, dass diese Proteste aus dem Exil oder dem Dalai Lama angestiftet worden sind, tatsächlich gab es weder die Ressourcen noch die Intention für einen solchen Plan.

Die vorrangige Frage, die sich den Beobachtern stellt, ist die Frage der zeitgleichen Proteste. Wie war das möglich? Robbie Barnett verweist in einem 2012 erschienenen Aufsatz darauf, dass in Tibet die Leute über die tibetischen Kurzwellensender gut informiert waren und die Mobiltelefonie eine schnelle Verbreitung der Nachrichten ermöglicht hat:“All the information necessary for events to take place at roughly a similar time was circulating worldwide in the international media, and these media outlets had been available for several years to most Tibetans through short-wave radio and satellite broadcasts from abroad. These broadcasts reach rural areas of Tibet more easily than urban areas, around which jamming stations are clustered. There was extensive publicity outside China and on these radio stations about exile plans to disrupt the preparations for the Olympics and to hold a march in India on 10 March, the anniversary of the 1959 uprising that had led to the Dalai Lama’s exile. It was implicit in these reports that China would be less likely to use lethal force on protestors  in the run-up to the Olympics, and it was well known that the Dalai Lama was involved in advanced stages of talks with the Chinese authorities, which protestors may have hoped to influence.”43

Beachtenswert in seinen Ausführungen ist, dass er der unklaren Auffassung ist, dass alle “notwendigen Informationen” für einen zeitgleichen Aufstand seit Jahren grundsätzlich verfügbar gewesen wären. Zutreffender ist wohl, dass die Stimmung in Tibet durch die chinesische Propaganda und die Meldungen aus dem Ausland einen Siedepunkt erreicht hatte und der Marsch in Indien sowie der Protest der Mönche vom 10. März in Lhasa und anderswo den letzten Funken darstellte.44

Oder anders formuliert, die nahenden Olympischen Spiele, die Debatte im Untergrund darüber und die jahrelangen Kampagnen haben dafür gesorgt, dass der Boden für einen landesweiten Protest vorbereitet war, ohne dass eine verschwörerische Koordination notwendig gewesen wäre. Der Marsch in Indien, die Proteste der Mönche in Lhasa und anderswo in Tibet am 10. März waren die letzten Funken.

Die Proteste in Tibet  begannen am 10. März 2008 und nicht wie die chinesischen Behörden behaupteten erst am 14. März 2008. Tsering Woeser gibt uns einen lebhaften Eindruck davon wie die 300 Mönche aus Drepung nach Lhasa marschierten und unterwegs Parolen skandierten: “Wir fordern religiöse Freiheit!”, “Lasst nicht soviele Chinesen nach Tibet!” Sie forderten desgleichen die Freilassung von Mönchen aus ihrem Kloster, die ein Jahr vorher verhaftet wurden. Die Polizei griff mit Tränengas und Schlagstöcken ein. Ein paar Stunden später folgten ihnen 14 Mönche aus dem Kloster Sera, die wiederum brutal zusammengeschlagen wurden.  Am selben Tag fand im 2000 Kilometer entfernten Hualong in der Provinz Qinghai ein Protest statt.45

Zeitgleich und nichtsahnend hat sich eine kleine Gruppe von tibetischen Jugendlichen in Delphi/Griechenland zu einer alternativen und tibetisch gestylten Fackelzeremonie zusammengefunden. Sie sollte der Start für eine alternative Tibet-Fackel-Tour sein.46

Im Nachhinein erkennt man wie schlecht die chinesische Regierung auf diese Proteste vorbereitet war. Sie liess die Proteste vier Tage lang geschehen, in der Hoffnung, möglichst viele Rädelsführer zu schnappen oder den Protest womöglich als gewalttätig darzustellen. Man zeigte immer wieder Bilder, in denen angeblich tibetische Demonstranten Läden verwüsteten. Das trug nicht dazu bei, dass sich die Gemüter beruhigten. Im Gegenteil, die heftigen verbalen Angriffe der chinesischen Regierung am 18. März 2008 gegen den Dalai Lama haben noch mehr Öl ins Feuer gegossen.

Die Fernsehberichte von den Reitern, die auf ihren kleinen Ponies in einer osttibetischen Stadt einfallen oder den Tibetern, die die Polizeistationen stürmen, die Flagge hissen und ein freies Tibet ausrufen, haben eine nie dagewesene Euphorie unter den Tibeterinnen, Tibetern und ihren Freunden ausgelöst. Es drohte jedoch die Gefahr, dass der Strom der Nachrichten bald versiegen würde, sobald das chinesische Militär Tibet abgeriegelt hat. In dieser Situation traten in Tibet aber unglaublich mutige Menschen hervor und haben dafür gesorgt, dass das Vorhaben der chinesischen Regierung misslang.

Tsering Woeser hat über die ganze Dauer des Jahres 2008 in ihrer kleinen Wohnung in Peking eine Ein-Frau-Nachrichtenagentur betrieben. Die schmächtige umso sehr willensstärkere Person schaffte es mit ihrem Blog über Monate hinweg, die offiziellen Meldungen der Regierung kritisch einzuordnen und bislang unbeachtete Sachverhalte ins Licht der Aufmerksamkeit zu rücken. Sie verschaffte damit den ausländischen Korrespondenten in Peking aber auch den Medien ausserhalb Chinas Zugang zu verlässlichen Bewertungen der Ereignisse in Tibet. Die Interpretation der chinesischen Regierung des Aufstand fand dagegen international keinen Widerhall. Es fehlte ihr schlicht an Glaubwürdigkeit, obwohl sie sich intensiv bemühte, die Medienhoheit über das Thema Tibet wiederzuerlangen. Eine ausländische Journalistengruppe wurde zu diesem Zweck eiligst am 27. März 2008 von Peking nach Lhasa geführt, um über die “beruhigte Situation” zu berichten. Im Jokhang Tempel durchkreuzten 30 Mönche die Pläne der völlig überraschten Funktionäre. Sie berichteten weinend und vor laufenden Kameras den ausländischen Journalisten über ihre Verzweiflung und wie es tatsächlich in Tibet aussieht und dass der chinesischen Propaganda nicht zu trauen sei.47 Eine ähnliche desaströse Aktion folgte am 9. April 2008 im 2000 Kilometer entfernten Labrang (Gansu Provinz), wo ein Gruppe von rund 40 Mönchen den anwesenden Journalisten die tibetische Fahne und ein Transparent mit der Aufschrift “Seine Heiligkeit soll nach Tibet kommen – Kampf für die Freiheit” entgegenhielten.

Diese Ereignisse in Tibet und die kritischen Berichte der Medien führten dazu, dass der Olympische Fackellauf zu einem perfekten Objekt für den latenten Volksunmut gegen die Arroganz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der chinesischen Regierung und der internationalen Konzerne wurde, die sich alle weder um Menschenrechte – geschweige denn um die Rechte der Tibeter –  scherten. Der Fackellauf erhielt damit eine Dynamik und zwar in einem Ausmass wie es die Tibet-AktivistInnen sich nicht in ihren kühnsten Träumen auszumalen gewagt hätten. Die Kehrseite dieser Dynamik war das nicht mehr zu kontrollieren war, welche Form die Proteste annahmen. In London, Delhi, Paris und in San Francisco blockierten Passanten spontan die Laufroute und es entwickelte sich ein irrationales Ringen um den Fetisch der Olympischen Fackel, der in den Augen der protestierenden Menschen auf keinen Fall nach China gelangen durfte. Beim Versuch, den vom IOC ausgesuchten LäuferInnen die Fackel aus der Hand zu entreissen, kam es in Paris zu einem Zwischenfall mit einer Rollstuhlfahrerin. Sie stürzte und in den Medien drohte für kurze Zeit die pro-Tibet Stimmung zu kippen.

Die Proteste gegen den Olympischen Fackellauf in San Franzisko, die ein paar Tage vor dem Spiegel Interview stattgefunden haben, rufen beim Dalai Lama gemischte Gefühle hervor. Er versteht allerdings die Wut, die der angekündigte Fackellauf auf den Mount Everest erzeugt. “Wären die Zeiten ruhig, würde ich mich nicht darüber aufregen. So aber verstehe ich die Proteste, ohne sie freilich zu unterstützen.”48

Die Forderung nach einem Boykott bekam in diesen Tagen wieder Auftrieb. Sowohl Präsident Sarkozy aus Frankreich, der US-Präsident George Bush, der polnische Ministerpräsident Donald Tusk wie auch der britische Premierminister Gordon Brown forderten von China die Wiederaufnahme von Gesprächen mit dem Dalai Lama und stellten ihre Teilnahme an den Eröffnungsfeierlichkeiten in Frage. George Bush ist schliesslich doch hingefahren. Im Falle Frankreichs dauerte es über ein Jahr bis die Spannungen zwischen Sarkozy und Peking wieder abgebaut waren.49  

Der Dalai Lama seinerseits nutzte die öffentliche Unterstützungwelle, um in Berlin am 19. Mai 2008 vor dem Brandenburger Tor an einer Tibet-Kundgebung teilzunehmen, für politische Unterstützung zu werben und gleichzeitig der chinesischen Opfer des Erdbebens vom 9. Mai 2008 zu gedenken. Er rief seine Leute auf, auf Proteste vor chinesischen Botschaften zu verzichten. Die Berliner Kundgebung war die erste und weitaus grösste politische Kundgebung, an welcher der Dalai Lama ausserhalb Indiens teilgenommen hat. Für die Mobilisierung und Organisation des Anlasses waren nur knapp zehn Tage vorhanden, aber über 25000 Menschen kamen, um ihre Solidarität mit Tibet auszudrücken. Der Dalai Lama beantwortete jetzt die Frage nach einem Boykott mit dem Zusatz, dass er nachwievor die Spiele unterstütze, sollten die westlichen Führer aber  nicht zur Eröffnungsfeier zu gehen, sei dies ihre Entscheidung.50  

Dies war aus seiner Warte gesehen eine vernünftige Haltung. Die chinesische Regierung hatte sich nämlich knapp einen Monat vorher bereit erklärt, die Gespräche mit ihm wieder aufzunehmen. Die Presse meldete: „China appeared to bend to international pressure on Friday as the government announced it would meet with envoys of the Dalai Lama an unexpected shift that comes as Tibetan unrest in western China has threatened to cast a pall over the Beijing Olympics in August.“ 51 Für einige Wochen sah es tatsächlich so aus, wie wenn die Proteste in Tibet dazu beigetragen haben, dass Schritte hin zu einer politischen Lösung gemacht werden. Die Gesandten des Dalai Lama trafen sich mit ihrem chinesischen Gegenüber im Mai, dann wieder im Juni und schliesslich Ende Oktober.

Zweifel an die Aufrichtigkeit des Angebots hatten natürlich alle, vermutlich auch der Dalai Lama.  Aber was sollte er tun? Am 4. Mai 2008 schrieb Tsering Woeser: “Some Tibetans also pointed out that the talk is just a show, and it will only be beneficial to the Chinese side. The CCP can set their mind at rest over holding the Beijing Olympics, and the heads of the western countries can also rest assured about attending the Olympics. The sacrifices made by the Tibetans will all be wasted. However, does the CCP really think that they can drag on like this until the Olympics are over?”52 Ja, das war der Plan der Pekinger Führung und ihre Rechnung ist aufgegangen.

 

Der letzte Akt: Das Ende

Am 6. August, 2008, am selben Tag als “Leaving Fear Behind” in Peking seine Premiere hatte, startete Students for Free Tibet seine Aktivitäten in Chinas Hauptstadt. Ihre Mitglieder kletterten mit Free-Tibet Spruchbändern auf Strassenlampen; hissten die tibetische Fahne; und überraschten die Sicherheitskräfte mit kreativen Protesten in unmittelbarer Nähe des Nationalstadiums, welche LED Licht-Buchstaben und grosse Laserprojektionen auf Gebäude miteinschloss. Alle Aktivistinnen wurden verhaftet und dann ausser Landes geschafft. Sie schafften es aber, das Interesse der Medien während den Spielen nochmals kurz auf die Situation in Tibet zu lenken. Die chinesische Regierung wurde um ihren unbefleckten Propagandaerfolg gebracht.

In Tibet selber haben noch bis weit nach den Olympischen Spielen noch Proteste stattgefunden. Die verstärkte Militärpräsenz, die Kontrolle der Schulen, die wiederholten Selbstkritik-Anlässe, die nicht nur die Tibeter in Tibet, sondern auch die, die in Peking studierten, betrafen, führten dazu, dass China die Kontrolle über die Tibeter wieder zurück erlangte. Nach Abschluss der Spiele musste China auch keine Rücksicht mehr auf die internationale Meinung nehmen und konnte frei walten. Der letzte einsame Protest in einer Serie von rund 600 Protesten im Jahr 2008 wurde von einer mutigen 31-jährigen Frau am Morgen des 29. December 2008 in Kardze in Ost-Kham abgehalten. Kunchok Dolma ging am Morgen ins Kloster Dontuk, brachte im Tempel ein Opfer dar, ging anschliessend auf den Markt von Kardze, verteilte Flugblätter und rief dabei “Freies Tibet” und “Lange lebe der Dalai Lama.” Ihre Verhaftung war die letzte im 2008 und schraubte die Gesamtzahl auf 6810 hoch.53

Es gab Ende 2007 eine Phase, als die Gruppe “Games of Beijing” sich ganz ernsthaft überlegte, ob es nicht möglich wäre, die erste gemeinsame Aktion von TibeterInnen aus dem Exil und aus Tibet während der Spiele in Peking durchzuführen. Man hatte bereits eine Aktionsleitung bestimmt. Die Vorbereitung gestaltete sich gerade nach dem März Aufstand aber so kompliziert und gefährlich, dass man bald von diesem Gedanken abgekommen ist. Anfang Januar 2008 eröffnete sich dann aber die Möglichkeit, ungefilterte Aussagen von TibeterInnen aus Tibet auf Film zu erhalten. Auch wenn nicht vorherzusehen war, welche Qualität das Material haben wird, war klar, dass der Film eine kleine Sensation wird. Am 10. März 2008 traf sich Dechen Pemba, eine tibetisch-stämmige Britin, die damals in Peking in Xian lebte, mit einem Mann aus Tibet, den sie dazumal nicht kannte. Er stellte sich ihr als Dhondup Wangchen vor.

Die Gruppe Games of Beijing hat als letzte Aktion für Peking die Premiere des 26-minütigen Dokumentarfilms geplant. Auch wenn dieser Film mit der Tibet-Olympia Kampagne im engeren Sinne nichts zu tun hatte, gab er dem Slogan “Bring Tibet To The Games” einen tieferen Sinn. Der Film hatte es geschafft, die Klagen, Hoffnungen und Wünsche der Menschen in Peking zur Sprache zu bringen.

Dhondup Wangchen hat sich auf seiner langen Reise zu seiner Familie vermutlich Gedanken gemacht, wie er seinen Kindern, seiner Frau und seinen Eltern erklären könnte, warum er diesen Film gemacht hat und wodurch sich dieses Opfer von sechs Jahren Haft, Arbeitslager und nochmals drei Jahre Trennung von seiner Familie rechtfertigen liesse. Die Strafe von sechs Jahren Gefängnis ist in erster Linie ein Beleg für die Kleinmütigkeit und Vergeltungssucht des chinesischen Staates. Es mag ihn und seine Familie – die hier stellvertretend für die vielen mutigen Menschen in Tibet genannt sind –  trösten, dass dank ihrer Entschlossenheit, die Absicht Chinas die Menschen in Tibet an den Spielen zum Schweigen zu bringen, vereitelt wurde.

Ein kurzer Epilog

Auf unserer Reise in die Gegenwart nehmen wir eine Auswahl von Erinnerungen an die Menschen mit, denen wir begegnet sind, an die Ereignisse, die uns geprägt haben und an die Geschichten, die uns helfen die Welt und uns selber zu verstehen. Der Wunsch uns gegenseitig diese Geschichten, die unser Leben darstellen, mitzuteilen, ist zutiefst menschlich und hilft uns den Weg in die Zukunft zu finden. Die unermüdliche Bereitschaft, dies mit Sorgfalt zu tun, zeichnet menschliche Kultur aus. Jeder trägt mit seiner Geschichte dazu bei, ein Band von Erinnerungen, das uns als Familie, Gemeinschaft und Nation verbindet, zu weben. Bei Dhondup Wangchen wird es kaum der Blick hinunter auf die Rocky Mountains sein, der bald mal verblasst ist. Er wird andere Geschichten wie ein kostbares Feuer in sich hüten, um sich zu vergewissern, dass sein Opfer nicht sinnlos gewesen ist.

Wir können alle nur darüber rätseln, wie der Dalai Lama sich an den Aufstand 2008 und an diesen aussergewöhnlichen 12. September und seine Vorgeschichte erinnert. An diesem Tag lud der Dalai Lama die Vertreter der Tibeterinnen und Tibeter im Exil zu einer ausserordentlichen Sitzung nach Dharamsala in Nordindien ein. Seine Gesandten waren drei Mal in China seit Mai 2008 und es zeichnete sich ab, dass Chinas Gesprächsbereitschaft nicht ernst gemeint ist.54 Am 25. Oktober teilte der Dalai Lama mit, dass sein Vertrauen in die chinesische Führung “thinner and thinner” und er die Hoffnung fast aufgegeben habe, eine Lösung mit der derzeitigen Führung zu finden.55 Sein Wunsch angesichts der zusammenbrechenden Hoffnungen Klartext zu reden, scheint eng mit den dramatischen Ereignissen im Olympiajahr 2008 verknüpft zu sein.

Die chinesische Regierung ihrerseits hat ihr unverhohlenes Misstrauen gegenüber dem Dalai Lama und den seit 2002 stattfindenden Gesprächsrunden in ihrem aktuellen Weissbach deutlich formuliert: “When they thought the situation was working to their disadvantage, they would call for contacts with the central government; when they thought the situation was in their favor, they would break off these contacts. None of the negotiations were conducted in good faith – it was always the intention of the Dalai Lama and his supporters to divide China and achieve independence for Tibet.”56

Wollte man die politische Strategie des Dalai Lama gegenüber Peking in den vergangenen Jahrzehnten auf eine Kurzformel bringen, ist das die “des ehrlichen Maklers” für sein Volk. Es war nie sein politisches Temperament und wird es nie sein, sich an die Spitze einer politischen Bewegung zu stellen und seine Leute zu zielgerichteten politischen Aktionen anzuleiten.57 Er weist stattdessen auf die schlimmen Zustände in Tibet hin und macht einen vernünftigen Vorschlag, wie das Problem zu beiderseitigem Vorteil mit einem Kompromiss (“Mittlerer Weg”) gelöst werden könnte. Der Aufstand in Tibet, die plötzliche Dynamik rund um die Olympischen Spiele waren ein einzigartiger Test für seine Strategie. Je lauter die Unzufriedenheit in Tibet wurde, desto grösser wurde die internationale Solidarität und umso mehr internationale Unterstützung (sein wirksamster Hebel gegenüber Peking) erhielt er. Die Eskalation dieser Konstellation  hatte aber zur Folge, dass sich dadurch das Misstrauen in Peking vertiefte.

Noch mehr internationale Unterstützung als im 2008 ist kaum denkbar.58 Wenn sich selbst unter Bedingungen wie im 2008  keine Gespräche realisieren lassen, sollte man das Modell des “ehrlichen Maklers” grundsätzlich überdenken. Niemand kann dem Dalai Lama einen Vorwurf machen, dass er es auf diesem Weg versucht hat. Es macht aber keinen Sinn mehr an dieses Lösungsmodell zehn Jahre nach 2008 noch festzuhalten, wenn es derart klar ist, dass dieser Weg zu keiner Lösung führt. Es ist Zeit andere Wege zu testen.

Am 17. November 2008 trafen sich also die Delegierten des “Special Meeting” in Dharamsala.59 Aufgrund der Ereignisse der letzten Monate war auch ein riesiges Interesse der internationalen Medien am Treffen. Überall traf man in den Strassen von Dharamsala Journalisten und Fernsehteams. Alles, was Rang und Namen unter den Exil-TibeterInnen hatte, war vor Ort und debattierte vier Tage lang über den zukünftigen Kurs der exiltibetischen Regierung. Noch nie – auch später nicht an ähnlichen Treffen – wurde so offen debattiert.60

Eine Sammlung von Einzel-Rückmeldungen aus Tibet, in denen der jetzige Kurs des Dalai Lama und der Central Tibetan Administration (CTA) gegenüber China unterstützt wurde, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Die Diskussion in den einzelnen Untergruppen verlief dennoch sehr lebhaft.  Während die einen TeilnehmerInnen sich mit der grundsätzlichen politischen Situation auseinandersetzen wollten, gab es andere die emotional von der Niederschlagung des Aufstandes überwältigt waren und wieder andere diskutierten Themen, die letztlich keinen Bezug zur aktuellen Krise und ihren Folgen hatten.

Das eigentliche Ergebnis der vergangenen Monate war, dass zwei Dinge klar wurden:

  1. Eine Bereitschaft Chinas, mit dem Dalai Lama über eine wie auch immer geartete Lösung des Tibetproblems zu reden, existiert nicht.
  2. Diese Bereitschaft lässt sich in absehbarer Zeit auch nicht mit maximalen Einsatz der bekannten Mitteln von politischen Kampagnen, Druck oder Diplomatie erzwingen.

 

Was es gebraucht hätte, wäre eine Diskussion auf der Basis dieser Grundeinsicht. Denn es gibt eine Reihe von Lehren aus dem Jahr 2008, die noch heute von Gültigkeit sind. Eine wichtige Lehre und Kernstück jeder zukünftigen politischen Strategie muss deshalb sein: Ein besseres Zusammenwirken mit den Menschen in Tibet kann grosse Potenziale freisetzen. Damit wir mit unseren beschränkten Mitteln politische Aktionen in Tibet sinnvoll unterstützen können, braucht es aber einen offenen Austausch über Aktionen, ihre Ziele und Formen. Gerade die Selbstverbrennungen zeigen, dass wenn kein Austausch stattfindet, und die Tibet-Bewegung ausserhalb Tibets nur als Empfänger und passive Verstärker von Nachrichten aus Tibet fungieren, der politische Protest in perspektivlose Wiederholungen führt. Eine offene Diskussion hätte zu neuen Perspektiven und neuen Formen des politischen Kampfes führen können. Aber dazu kam es nicht.

Die Delegierten des “Special Meeting” hatten keine Befugnis, verbindliche Beschlüsse zu fassen. Dennoch verstand sich, dass das Schlussdokument richtungsweisend sein wird.61 Klar war, dass man die chinesische Regierung für die Notlage in Tibet verurteilen und an der Gewaltlosigkeit festhalten würde. Von der September- und Oktober-Euphorie für einen Kurswechsel war bei den wichtigen Leuten nichts mehr zu spüren. Der November hatte der CTA den Mut genommen. Der bisherige Kurs wurde wieder bestätigt. Gegen einigen Widerstand schaffte es eine kleine Gruppe schliesslich dennoch, eine Klausel in die Schlusserklärung zu integrieren, die besagt, dass sollte sich in absehbarer Zeit keine Änderung in Chinas Haltung beobachten lassen, alle strategischen Optionen, inklusive des politischen Endziels (Autonomie, Selbstbestimmungsrecht und Unabhängigkeit) für Tibet geprüft werden solle.62  

Zehn Jahre sind vergangen, seit das Feuer an den Olympischen Spielen in Peking erloschen ist. Die politische Situation in Tibet und China hat sich kaum geändert. Leider trifft das auch auf die innertibetische Debatte zu. Zwei Wahlen zum exiltibetischen Parlament und für die Führung der CTA haben seither stattgefunden, ohne dass alternative Pläne präsentiert wurden. Im Gegenteil, in der Regel gewann der Kandidat, der sich am klarsten für Kontinuität und den Kurs des “Mittleren Weges” aussprach. 2008 hat deutlich gemacht, dass die TibeterInnen sich aus der ewig gleichen Debatte im Dreieck “Autonomie”, “Unabhängigkeit” oder “Selbstbestimmungsrecht für Tibet” befreien müssen. Sie müssen jenseits dieses unfruchtbaren Feldes nach politischen Strategien suchen. Es ist höchste Zeit, über neue Wege in die Freiheit nachzudenken.

Es braucht bessere Ideen.

 


Endnoten

  1. Wangpo Tethong hat von 2003 bis 2007 die Internationale Tibet Olympia Kampagne geleitet und war dafür verantwortlich, dass die Mitglieder des internationalen Tibet Netzwerkes ihre Aktivitäten koordinieren. Die Arbeitsgruppe, der er vorstand, hatte zur Aufgabe, eine gemeinsame Strategie zu formulieren. 2008 kümmerte er sich mit einer Gruppe von jungen Tibeter aus der Schweiz und UK um die Post-Produktion und Verbreitung von Leaving Fear Behind und setzte sich in den Jahren danach für die Freilassung von Dhondup Wangchen und Golog Jigme ein. Er dankt Tenzin Tsundue, B. Tsering, Tenzin Sewo, Dechen Pemba, Yeshi Ngingthatshang, Golog Jigme und Gyaljong Tsetrin, Tenzin Kelden, Dicky Tethong und Flo Norbu für die Angaben und Anregungen für den Artikel. Für die hier getätigten Schlussfolgerungen trägt der Autor allerdings die alleinige Verantwortung.
  2.  Den Film “Leaving Fear Behind” kann man online anschauen. Dhondup Wangchen wurde wegen diesem Film  zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. https://www.youtube.com/watch?v=wi8U-asY1QI
  3.  Tsering Woeser, Ihr habt die Gewehre, ich einen Stift, Eine Chronologie der Ereignisse 2008 in Tibet, Berlin, 2009
  4.  Der Verlauf der Suchanfragen bei Google für die beiden Begriffe “Dalai Lama” und “Tibet” zeigt im März 2008 eine steile Kurve nach oben, die bereits im Mai deutlich absinkt. Siehe Powerpoint Präsentation “Olympics Campaign 2008”, VTJE Ostertagung, Einsiedeln, 2018
  5.  vgl. dazu den hervorragenden Artikel von Robert Barnett. Gemäss Barnett spricht China von neun, International Campaign for Tibet von 140 und die Central Tibetan Administration von 210 Todesopfern, Robert Barnett « The Tibet Protests of Spring 2008 », China Perspectives, März 2009, URL : http:// chinaperspectives.revues.org/4836
  6.  vgl. den NYT Artikel vom 4. April 2008, Quelle:  https://www.nytimes.com/2008/06/04/world/asia/04tibet.html
  7.  vgl. Tsering Woeser, S. 64ff, 30 chinesische Schriftsteller veröffentlichen ein Dokument mit 12 Vorschlägen wie mit der Krise in Tibet umgegangen werden soll.
  8.   Vergleiche dazu den Artikel von Ben Blanchard von Reuters. Er berichtet dort von der ersten Aufführung am 6. August 2008. Die zweite Aufführung fand im Hotel G” statt, welche von Hotelmanagement und den Sicherheitskräften gesprengt wurde.  https://www.reuters.com/article/us-olympics-tibet-idUSPEK4204620080806
  9.  Nach seiner Flucht aus Tibet machte Dhondup Wangchen einen Stopp in der Schweiz. Die Mitglieder von Filming for Tibet führten am 23. Dezember 2017 ein formelles Debriefing mit ihm durch und rekonstruierten die Ereignisse. Die obigen Informationen basieren auf den Notizen dieser Nachbesprechung.
  10.  Gemäss Florian Norbu haben insgesamt rund 46 Personen an den Protesten teilgenommen. Er war als Vertreter des Verein Tibeter Jugend in Europa in Peking und wurde nach einer Aktion am 22. August 2008 verhaftet und in ein Verhörzentrum gebracht. Die erste Aktion, an welcher 6 Personen teilnahmen, fand weit  im Vorfeld der Spiele an der chinesischen Mauer statt. Die weiteren Aktionen fanden während der Spiele in Peking statt.
  11.  Dadurch das hier die kampagnenbezogenen Ereignisse ausführlich dargestellt sind, erhält die Interpretation des Aufstands naturgemäss eine intentionale und akteurbezogene Linearität. Dies geschieht mit Absicht und soll einen bewussten Gegensatz zu den mehrheitlich strukturalistischen und deterministischen Erklärungsansätzen bilden.
  12.  18.3.2008, China blames Dalai Lama for riots http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/7302021.stm
  13.  18.3.2008, “Dalai Lama denkt über Rückzug aus der Öffentlichkeit nach”, www. spiegel.de
  14.  vgl. das sehr ausführliche Interview mit dem Dalai Lama mit  Spiegel-Redakteur Erich Follath und die Korrespondentin Padma Rao, die nachfolgenden Zitate stammen aus diesem Interview.
  15.  ebd. ,  Der Spiegel, 20/2008
  16.  vgl. Tibet’s Path of Development Is Driven by an Irresistible Historical Tide, The State Council Information Office of the People’s Republic of China, April 2015, Beijing http://www.xinhuanet.com/english/china/2015-04/15/c_134152612.htm
  17.  vgl. seinen Artikel, in welchem er die tibetische Exilregierung in Dharamsala eindringlich davor warnt, sich den Ereignissen entgegen zu stellen: Jamyang Norbu, Don’t stop the revolution, 4. April 2018 http://www.jamyangnorbu.com/blog/2008/04/04/don’t-stop-the-revolution/
  18.  vgl. die Bilder von den Kundgebungen auf der der hervorragenden Website http://www.uprisingarchive.org.  
  19.  vgl. auch die Blogeinträge von Tsering Woeser, Ihr habt Gewehre, ich einen Stift
  20.  Die Analyse des Berichts ist deutlich schwächer als die Chronologie.  
  21.  Der gesamte Bericht kann auf der Website der Internationalen Kampagne für Tibet gelesen werden: http://www.savetibet.org/bold-report-by-beijing-scholars-reveals-breakdown-of-chinas-tibet-policy
  22.  Radio Free Asia Diskussion mit Kunga Tashi und Dhondup Wangchen am 17. März 2008, https://www.rfa.org/tibetan/tibet/discussion-about-the-impact-of-2008-protest-in-tibet-03172018133506.html
  23.  Die nachfolgenden Selbstverbrennungen beeinflussten die Sicht der Tibeter auf den größten tibetischen Aufstand seit 1959: Auf der einen Seite entwickelte sich ein Narrativ, dass die Entwicklung hin zu den Selbstverbrennungen nach den Aufständen von 2008 stringent und alternativlos war. Andererseits haben unzählige Reden bei tibetischen Kundgebungen das individuelle Martyrium als die höchste Form des Protestes bezeichnet, die im Vergleich zu 2008 zwar viel Ehrfurcht, aber keine effektive Nachbereitung beim Publikum hervorgerufen haben.
  24.  In 2004 haben eine internationale Koalition von Tibet-Gruppen in Athen an den Olympischen Spielen mehrere Aktionen durchgeführt: Vor Ort waren Sophie Bod und Anne Callaghan von Free Tibet Campaign sowie Dechen Pemba, Yeshi Ngingthatshang, Norlha Monkhar, Tenzin Sewo, Kelsang S. , Tenzin Frischknecht, Tashi Büwang, Martin H. und Wangpo Tethong. (alle von Games of Beijing) und Jacky Miller und Hara Kolomini von den griechischen Tibet-Gruppen. Im 2006 fand die erste Aktion eines Exiltibeters in Peking statt. An dieser Aktion auf dem Tiananmen waren Wangpo Tethong, Tenzin Sewo, Martin H. und Dechen Pemba beteiligt.
  25.  Meine Gesprächsnotizen, Gespräche mit Golog Jigme und Jamyang Tsultrim, 4. Mai 2018. Bei diesen Schriften habe es sich u.a. um Texte von Hortsang Jigme und Alag Jigme gehandelt, die in Buchform publiziert wurden.
  26.  Kyag Kyog Che wa’i bZhud Lam Dang Wo’d sTong ‘Bar ba’i Mi Tse, Hg. Tibetisch Buddhistischer Verlag, 2005/2006, S. 231  (ཀྱག་ཀྱོག་ཆེ་བའི་བཞུད་ལམ་དང་འོད་སྟོང་འབར་བའི་མི་ཚེ་, བོད་བརྒྱུད་ནང་ཆོས་དཔེ་ཚོགས་,་2005/2006)
  27.  Leaving Fear Behind, https://www.youtube.com/watch?v=wi8U-asY1QI
  28.  Gesprächsnotizen mit N.N.,  einer Person, die nicht namentlich genannt werden möchte.  Privates Archiv
  29.  Die nachfolgenden Angaben stützen sich auf zwei Ordnern mit meine Unterlagen zu den Aktivitäten von Games of Beijing. Games of Beijing wurde am 2. November 2002 gegründet. Games of Beijing wurde gegründet, um die Aktivitäten der Organisationen in der Schweiz zu bündeln und zu finanzieren. Der Verein wurde wie verabredet  im Jahr 2009 wieder aufgelöst. Mitglied konnten nur Trägerorganisationen sein. Die Zusammensetzung der Aktivisten änderte sich fortlaufend.
  30.  Die Arbeitsgruppe der International Tibet Support Network wurde in Prag im 2003 gegründet. Sie traf sich dann in Paris in 2004, in Zürich in 2005 und dann im 2006 in Dharamsala in kompletter Zusammensetzung. Die Mitglieder der Arbeitsgruppen waren ehrenamtlich tätig und wurden vom ITSN Sekretär unterstützt. Von 2003 bis 2007 hatte Wangpo Tethong den Vorsitz, anschliessend Lhadon Tethong.
  31.  Tenzin Tsundue (Tibetaktivist und einer der Hauptorganisatoren des Marsches) und B. Tsering (ehem. Präsidentin der Tibetan Women’s Association, Mitglied der ITSN Olympiaarbeitsgruppe und Co-Organisatorin des Treffens in Dharamsala waren beide bei dieser Aktion beteiligt und bestätigen den Ablauf der hier dargestellten Ereignisse.  siehe E-Mail und WhatsApp Message vom 5. April 2018 an Wangpo Tethong
  32.  Unterlagen der ITSN-Arbeitsgruppe, Privatarchiv Wangpo Tethong
  33.  Die geschätzten 300’000 Schweizer Franken, die die Schweizer Gruppen (Games of Beijing und Filming for Tibet) von 2001 bis 2008 ausgegeben haben, sind jedoch ein sehr geringer Betrag im Vergleich zu den Millionen, die China in die Olympischen Spiele investiert hat.
  34.  Es hatte bereits 1991 eine spektakuläre Aktion von Tibet-Aktivisten in Monaco gegeben. Damals unterlag Peking Sidney. Zu frisch waren noch die Erinnerungen an die Niederschlagung des Studentenaufstands auf dem Tiananmen.
  35.  Vor Ort waren Yangzom Brauen, Tenzin Sewo, Chokey Choklay und Alex B. (alle aus der Schweiz), sowie John Hocevar (SFT) aus den USA, Anne Callaghan (Free Tibet Campaign) und Karma Yeshi (TYC, Indien). Aus Zürich wurde das Team von Tseten Allemann, Nyima Thondup, Diki Lamdark und Jigme Ribi unterstützt. Die meisten von diesen Aktivist_innen blieben der Kampagne bis 2008 verbunden oder engagierten sich darüber hinaus, in vielfältigster Weise für Tibet und insbesondere für die Freilassung von Dhondup Wangchen.
  36.  Siehe E-Mail von Wangpo Tethong an Alison Reynolds und Anne Callaghan vom 3. Aug. 2002. In diesem E-Mail wird detailliert die erste Kontaktaufnahme zu Hein Verbruggen,  Vorsitzender des Koordinationsausschusses für die Spiele 2008 , und die Ziele der Kampagne diskutiert.
  37.  Die ITSN Arbeitsgruppe einigte sich in 2005 auf diese Formel, die so aber nicht direkt nach Aussen kommuniziert wurde. Siehe Powerpoint Präsentation, 2006 Dharamsala Meeting.
  38.  Die ITSN-Arbeitsgruppe hat sich 2005 auf diese Formel geeinigt, aber sie wurde nicht direkt nach außen kommuniziert. Siehe Powerpoint Präsentation, 2006 Dharamsala Meeting.
  39.  vgl. Powerpoint Präsentation aus dem Jahr 2006. Die Grafik hat es in ähnlicher Form bereits ab 2005 gegeben.  Auf der Grafik sieht man eine “Road Map” Planung für die Jahre 2003 bis 2008, die geradezu prophetischen Charakter hat.  Links eine Abfolge von direkten Aktionen in China und rechts die öffentlichen Aktionen gegen den Fackellauf und anderen Aktivitäten wie Team Tibet, Medienarbeit, etc.
  40.  Eigens für die Spiele 2008 wurde auch ein Nationales Olympisches Komitee Tibet  gegründet. Die Aktivitäten wurden aus der Schweiz koordiniert, aber die Athletinnen und Athleten stammten aus Indien, Frankreich, Deutschland und Grossbritannien. Höhepunkt war sicherlich die Einladung von Thomas Mann im Europaparlament am 8. November 2007.
  41.  Das Ausmass an kreativen Ideen beeindruckt in der Rückschau:  Alternative Fackelläufe, Teilnahme an Volksläufen, Fussballspiele mit prominenten Gegnern und Teilnahme des Team Tibets an eine Fernseh Spielshow. In der Schweiz wurden diese Aktivitäten mehrheitlich von Keli Gope geleitet. In Indien war die Durchführung von alternativen Olympischen Spielen die Rede, welche von Lobsang Wangyal propagiert wurden.
  42.  vgl. Reutersmeldung 8. März 2008 www.reuters.com/article/us-china-olympics-dalailama/dalai-lama-supports-beijing-olympics-aide-idUSSP11553420080308
    Siehe auch die Erklärung des Dalai Lama  zum 10. März Aufstand von 1959, http://www.dalailama.com
  43.  Robert Barnett, « The Tibet Protests of Spring 2008 », China Perspectives, online gestellt März 2009, URL : chinaperspectives.revues.org/4836
  44.  Zum Marsch, der viel Aufmerksamkeit erzeugte, hatte der Dalai Lama eine ablehnende Haltung: “Ich habe auch den Organisatoren des sogenannten Friedensmarsches von hier in Dharamsala zur Grenze der Volksrepublik abgeraten, weil der zu Auseinandersetzungen mit den bewaffneten Grenzposten führen könnte. Aber ich vermag nur Ratschläge zu geben und kann keine anderen Meinungen unterdrücken. Ich hoffe, dass die Chinesen das alles nicht zum Vorwand nehmen, um ein neues Blutbad anzurichten.”,  Der Spiegel 20/2008
  45.  vgl. Tsering Woeser, S. 34ff.
  46.  Es gibt ein sehr interessantes Video von Dondup Shelkar, der diesen sehr poetischen Anlass dokumentiert hat, Der Start der alternativen Tibet Fackel tour wurde von Mitgliedern des Vereins Tibeter Jugend in Europa in Zusammenarbeit mit der Tibet Olympia Gruppe organisiert.
  47.  Siehe  http://www.uprisingarchive.org/lhasamt.html
  48.  Der Spiegel, 20/2008
  49.  siehe NYT Artikel vom 1. April 2009 https://www.nytimes.com/2009/04/02/world/europe/02france.html
    Der schweizerische Bundespräsident Pascal Couchepin entschied sich nach Peking zu fahren, worauf die “Games of Beijing” Gruppe mit der Aktion “Ich couche nicht” reagierte, die von zahlreichen ParlamentarierInnen und  Schweizer BürgerInnen unterstützt wurde.
  50.  vgl. Guardian Artikel vom 21. Mai 2008  https://www.theguardian.com/world/2008/may/21/tibet.religion
  51.  siehe NYT, 25. April 2008, https://www.nytimes.com/2008/04/26/world/asia/26china.html
  52.  Woeser’s Blog, “Tibet Update May 1- 6, 2008,” at http://chinadigitaltimes.net/2008/05/woeser-tibet-update-may-1-2008
  53.  Siehe,  2008 Uprising in Tibet – Chronology and Analysis, S. 166
  54.  Eine interessante Sammlung von Zeitungsartikeln und Meinungsbeiträgen zum Thema findet sich auf meinem Blog: https://specialmeeting.wordpress.com

 

 

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The 2008 uprising and the Olympics

by Wangpo Tethong1

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There is a widespread perception that the main cause of the 2008 uprising (or “unrest,” as it is named by some authors) was feelings of discrimination and an urge for free expression, especially among young people in Tibet. This essay, however, suggests that a multi-year campaign by activists in exile and in Tibet contributed to the expectation that the 2008 Games were a unique opportunity to pressure China with various forms of political activities. The Chinese government responded to the uprising, the extent of which surprised everyone—first with denouncing the Dalai Lama for instigating the protests, and then with offering a meeting to exiled Tibetan representatives. The Chinese leaders waited for the games to be concluded, and then declared that it no longer had any interest in talks with the Dalai Lama, the exiled spiritual and political leader of Tibet.

 


A long prologue

We already have an eight-hour flight from Zurich behind us. We have flown over Greenland and the endless expanses of the Canadian West, and next to me sits Dhondup Wangchen, staring down at the Rocky Mountains. I wonder what he is pondering. In a few hours, after ten years of forced separation, he will take his family into his arms. It is Christmas Eve of 2017, and for his brave family, a story of painful uncertainty will come to an end.

Dhondup Wangchen is one of the most recognized faces from 2008 for people interested in Tibet. Contributing to his fame was the 26-minute documentary film (“Leaving Fear Behind”) and the international campaign for his release.2 The image of a man in a washed-out grey T-shirt—speaking into the camera in clear and short sentences to the beat of his hand on his thigh—resides in the collective memory of the Tibet movement.

Thousands of Tibetans rose up with tremendous energy and courage to a national uprising in March and April of 2008. The filming of “Leaving Fear Behind” was conducted before the uprising, and can be seen as a report about why the Tibetans took to the streets. The film thus became an important documentary about Tibet and the Tibetan resistance: It speaks of the hypocrisy of the Olympic Games, and of the oppression and the ruthlessness with which China is gradually assimilating Tibet. For the young men and women; the monks; the nomads and the farmers who spoke in the film and for Dhondup Wangchen himself—it is clear that only the Dalai Lama’s return to Tibet can put an end to this tragedy.

The uprising had epochal character for Tibet. The Tibetan highlands had not seen such an uprising since 1959. A look at the blog of Tsering Woeser, a Tibetan writer who has meticulously documented the entire uprising year, reveals the drama that unfolded in that year.3 Neither before nor after did the issue of Tibet receive such attention in the international media and political arena.4

The protests were intense, spread across the entire Tibetan plateau and in general very peaceful. Nevertheless, the authorities applied brute force to suppress them. Depending on the sources, between 140 and 219 Tibetans were killed by the security forces.5 The protests in Tibet and the subsequent solidarity actions abroad against the Olympic torch relay were of unprecedented intensity.  A series of special programs on China’s state television fomented open inter-ethnic hostilities. Many people in China indulged in aggressive government-spurred nationalism.

On the other hand, there were Chinese lawyers6 and intellectuals who openly took sides for the Tibetans.7 The massive military action and the “political re-education measures” in Tibet and in China itself took the wind out of the sails of the Tibetan uprising. The earthquake in China on May 9, 2008 finally changed the messaging about the Olympic Games: in one fell swoop, China was no longer a perpetrator but a victim and the Tibetan issue disappeared from the headlines.

The premiere of “Leaving Fear Behind” took place shortly before the Olympic Games in Beijing under clandestine circumstances. Reuters journalist Ben Blanchard reported on August 6, 2008: “The film, ‘Leaving Fear Behind,’ was shown to a small group of foreign reporters in a dingy hotel room in central Beijing, not far from Tiananmen Square.”8 Caution was justified. A screening for a larger group was stormed the same day by the police. Dhondup Wangchen and his assistant, Golog Jigme, were in custody at the time. Both had already been subjected to extremely brutal interrogations on several occasions, without Chinese interviewers learning that the reason for their silence was a film that for the first time allowed a very deep and unbiased view into the hearts of Tibetans in Tibet.9

When the film was shown two days before the opening of the Olympic Games, the Olympic campaign by Tibet groups was quickly nearing an end. On the same day and in the days following, long-planned actions by activists, mostly from the USA and Europe took place in Beijing.10 These protests marked the end of a series of campaign activities and a historic uprising that Tibetans and their leaders still find difficult to interpret.11

 

Sabotage or Revolution – Colliding Perspectives

In the first days after March 10, 2008, there was an unprecedented euphoria among Tibetans, astonishment among foreign observers, and anger among the Chinese leadership. Day after day, reports of increasingly spectacular protests emerged from Tibet. More and more people began taking to the streets—not only in Tibet, but everywhere in China where Tibetans live. The superpower China seemed to be losing control of the Tibetan plateau. Brave journalists produced media reports that flickered across screens all over the world. Sympathies were distributed unilaterally: They belonged to the Tibetans and Tibet.

The case was very simple for the Chinese authorities. On March 18, 2008, Chinese Prime Minister Wen Jiabao appeared in a press conference in Beijing, noting that the “Dalai Clique” instigated these uprisings: “There is ample fact and plenty of evidence proving this incident was organised, premeditated, masterminded and incited by the Dalai clique.”12 The Dalai Lama reacted the same day with a press conference in his Indian exile in Dharamsala.13 He not only denied any involvement, but invited the Chinese leadership to Dharamsala to make sure on the spot that their accusations were unjustified.

The Dalai Lama’s mood during those days was not good. The interview with the German news magazine “Der Spiegel” provided deep insight into his constitution at that time. His first reaction to the news from Tibet was bewilderment: “I cried. I sat with the Prime Minister of our government in exile and we both wiped tears from each other’s eyes. So much suffering, so much despair. I was just sad, deeply sad.” 14

It is clear that the Dalai Lama had no effective influence on the events. This left him in a position of observation, from which he could only follow the events in Tibet with concern. Commenting very emotionally on the isolated acts of violence committed by the demonstrators, he said: “I condemn this, and it makes me sad when my compatriots act in this way – even if it has certainly happened out of deep-seated disillusionment and despair that they are only second-class citizens in their own country. It’s not an excuse for violence. […].” However, he left no doubt as to who he considered to be the true victims and perpetrators: “But one thing is certain: it was mainly innocent Tibetans who suffered from the brutality of the police and the military”.

For the activists and the young Tibetans, among whom a few were advocates for a violent path, he communicated paternal mildness but little confidence: “Of course I understand the impatience of the young. But they have no concept, just emotions.”

Today, ten years later and knowing all the facts, he will probably have to change his mind, at least partly. The protest was not completely without political calculation and concept. The young Tibetans, both inside and outside Tibet, made a significant contribution to the fact that the whole world spoke of Tibet in the days around the Olympic torch relay. It is this attention that made his call for international solidarity resonate. Even if he did not mention this connection, he realized the positive effect: “But of course the international pressure has had an effect on Beijing. I can only encourage every free society, especially Germany, to maintain this pressure. The whole world must help us. The Chinese are very concerned about their international reputation.”15

Admittedly, nobody came to Dharamsala from Beijing, and no international investigation of the events in Tibet took place, as the Dalai Lama wished. Beijing’s interpretation that the uprising was controlled from abroad has also not changed since. In 2015, in a comprehensive white paper on Tibet, the Chinese government even intensified the accusations: “Moreover, he has planned and instigated activities of sabotage, including violent disturbance during the Beijing Olympic Games, violence in Lhasa on March 14, 2008, and incidents of self-immolation”.16

But the Dalai Lama did not only suffer the displeasure of Beijing in those days, which were reigned by political euphoria, and during which cool political judgment and sober analysis were compromised. Criticism against him and the exiled Tibetan government also came from a completely different direction. The Dalai Lama’s statement to stop the march to Tibet and his dramatic appeal to Tibetans in Tibet not to use violence was the wrong news at the wrong time for some exiled Tibetans. Jamyang Norbu summed it up in a nutshell: Don’t stop the revolution, Step out of the way.17

Gongmeng, a group of Chinese academics provided an social and economic analysis, rejecting the notion that the uprising was instigated by outside forces. They concentrated on the social and economic causes and demand from the party to reconsider its Tibet policy. Such a narrative while being superficially favorable to the Tibetan interest reconstrued the uprising as “social unrest,” which does not help to understand an issue which is political at its very core. The banners at the protests spoke clearly: “We have no freedom of expression” ; “Peace and democracy—We want to pray for the victims of our people” ; “In solidarity with the people of Tibet” and “His Holiness shall come—fight for freedom”.18 The slogans shouted by protesters included: “Don’t let so many Chinese into Tibet”, “Long live the Dalai Lama” and “Free Tibet”.19

The 200-page report by the Central Tibetan Administration (CTA) from 2009 gives a lot of consideration to the rationale of Chinese academics. It quotes the Gongmeng group with the following: “Understanding is a pre-condition for discussion, unity and development. If the promotion of healthy development in Tibetan areas is truly desired, then there must be a change in thinking and an adjustment in thinking behind the current nationality theories and policies.”20 The Chinese government failed with its Tibet policy, because it did not implement an adequate autonomy policy, the report says. The analysis is broadened with the remark that there were many causes, and that China had paid too little attention to the special needs of Tibetan culture and its spirit. For the authors, however, Tibetans who expressed political attitudes, and reacted to developments from the outside world in a planned and political manner, did not conform to their conception of a Tibetan.21

In a recent radio discussion about the uprising with Dhondup Wangchen and Kunga Tashi, a CTA China expert, the discussion about the year 2008 revolves—as is typical of discussions on this anniversary—above all around the consequences of the uprising.22 Three observations are central for Kunga Tashi: 1. The Tibetan youth were mobilized politically to an unprecedented extent; 2. The protests spread suddenly across the plateau, leading to international solidarity; 3. The perception of the Tibetan struggle was thus massively changed in China, as well as in Tibet itself. Thus, the wave of over 150 self-immolations after 2008, based on this conclusions, could be seen as the continuation of the uprising, changing the nature of protest from a more collective to an individual form.23

In this article, an attempt will be made to consider a viewpoint that has so far been neglected. The focus is on the question of which preconditions and which triggering causes are responsible for the 2008 uprising and its unbelievable dynamics. This should be done not only out of historical interest, but also with the aim of reflecting on the political campaign work of the Tibet movement.

Every Uprising Has A Beginning

Every political protest, even if carried out by a group, can be analysed as an individual decision. This includes weighing opportunities and dangers, which can at times be more emotional or more rational. This applies to Tibetans and people worldwide. In the case of Tibet, there is the situation in Tibet, perceived as unjust and discriminating: Have the social and economic parameters deteriorated? Has the Chinese oppression and injustice become more intolerable? Or are we influenced by a growing political awareness (which can be expressed in the form of political songs, etc.) and how is the perception of the general political situation changing?

Having answered these questions, the catalyst for the uprising, has not been yet identified in a historic context. In our case, it was the Olympic Games. The communication of this opportunity as a favorable timing for protest was supported early on by a rhetoric of urgency and indignation: “How can it be that the world’s youth meet in Beijing for peaceful and sporting competition, while oppression prevails in Tibet!”. This was the message of the Tibetan activists inside and outside Tibet, and should denounce the moral questionability of the games. The condemnation of a double standard is effective and follows our natural sense of justice. The author recalls that this thought was repeatedly mentioned in radio reports and interviews by Radio Free Asia (RFA), Voice of America (VOA) and Voice of Tibet (VOT). The Olympic campaign was more intensively covered by the Tibetan media after the Athen Olympics in 2004, and at the latest after the Tiananmen protest of a group of Tibetan exiles that carried a banner with the slogan “Hu, you can’t stop us”  in 2006.24 It can be assumed, in retrospect, that the radio reports had an effect in Tibet and contributed to sensitizing the public for the opportunity lying ahead.

Similarly, in Tibet itself a discussion about the games began early on. The first publications on the Olympic Games appeared around 2005.25 Tibetans from inside Tibet subsequently confirmed, for example, that they were aware of the 2006 Tibet Olympic action in Beijing. Golog Jigme insists, however, that the Olympic Games were already an issue in Tibet in 2001. In his opinion, the exile activities would not have had a decisive influence. In 2006 and 2007, at the latest, there were also underground writings circulating with slogans against the Olympic Games, and there were also thoughts and plans about protests. He had also seen leaflets on the Olympic Games in his region.

One of these writings calls for protest very concretely and with strong conviction:

“It should be clear to us how we should behave in view of 2008. Anyone who is Tibetan should be aware of the tireless efforts His Holiness the Dalai Lama has made over the past 70 years for the Tibetan people and its nation. It need not be stated here that the Chinese government is forcibly detaining the Panchen Lama. Faced with this situation, it would be sad if Tibetans behaved as if they did not hear and feel anything. The Tibetan nation is violently oppressed and deprived of its riches. The death of many of our brothers and sisters will remain a wound in our history that we must never forget. The Dalai Lama and with him 150,000 Tibetans are forced to live in distant lands. Many of our brothers and sisters are imprisoned in dark prisons. We know that. All school graduates have been given a job for the past five to six years. We know this is just a trick and a distraction. Therefore, and because we are all cognizant people, let us remember that we must not stand apart in the Tibetan struggle for freedom. If Tibet [up until the Olympic Games, author’s note] has not gained freedom, we have the responsibility to protest so that the Olympic Games do not take place in China. It is up to us, young Tibetans, not to let this opportunity pass us by. It is up to us Tibetans in Tibet to show the people of the world what the true situation in Tibet is”.26

Another indication that the topic of the Olympic Games in Tibet was discussed relatively broadly are the statements in “Leaving Fear Behind”: “These games are for the Chinese only. We have nothing to celebrate here.” In another scene, it is said: “People from all over the world are invited to this peaceful festival, but we are not allowed to take part in it.”27 It is to the credit of “Leaving Fear Behind” that such room has been made for these statements. Without this film, these statements would never have been documented.

A Tibetan living in Switzerland, who regularly visits Tibet, confirms this mood expressed in the short documentary and even goes one step further: “In summer 2007, when we were in Amdo and Kham, there was already a very tense atmosphere there. On the one hand because of Ronge Adrak, who had publicly attacked the Chinese leadership during a equestrian game in Litang and on the other hand because of various activities of the compatriots in exile. They were all well informed, so I knew in 2007 that the situation was about to explode.” 28

Within Tibet, especially among young people, there was a growing feeling of discrimination in all areas of life. The 2006 Congressional Gold Medal for the Dalai Lama gave the impression that the Tibetan cause was greatly supported internationally. Exiled activists contributed to the assessment that the 2008 Games would be a concrete opportunity to effectively express their frustration. So the frustration received a deadline, and the wait for the Olympic Games was dramatized. The Chinese government and the organizers of the Games contributed their share of drama by accelerating their pro-Olympic propaganda.

 

The First Act: The Search for a Strategy

In May 2006, representatives of 18 Tibetan groups gathered in Dharamsala in Northern India to discuss their search for a strategy and to coordinate their activities for the 2008 Olympic Games.29 This was the fourth and best attended meeting of the working group.30 Two actions had already taken place in China and the willingness to launch an Olympic campaign in India was strong. There were signs of anticipation in the working group and a competition for creative forms of action. During the day the planning meetings took place, as well as in the evening, there were well-attended public events in the hall of Club House Himachal in McLeod Ganj.

There was intensive discussion in the working group on a strategic level about organizing further protests within China, but at the same time some groups were not willing to reveal all their plans to one another. While it was clear that some groups from Europe and the United States would have better access to Beijing in August 2008, groups from India had to look for a different strategy. The five main exiled Tibetan NGOs in India decided to concentrate their resources in India.

The leadership of the Tibetan Youth Congress (TYC)—the largest exiled Tibetan group—had internal leadership problems at the time, and was therefore rather irregularly represented at the meetings. In August 2007, however, on their initiative, by far the largest exiled Tibetan rally took place in the Indian capital, Delhi. Some viewed the rally led by the Tibetan Youth Congress as a huge success; others viewed it as a chaotically organized failure, from which the TYC has not recovered to this day. The “Return to Tibet” march by the five major Tibetan groups in India had a more lasting effect: “Masses” of Tibetan refugees should make their wish to return to Tibet come true. The march by more than 100 Tibetan nuns, monks and lay people led to many media reports, and can be regarded as one of the most important factors of inspiration to people within Tibet.31

The Dharamsala meeting was preceded by a series of actions and meetings of the Tibetan groups, which were essential for a strategy to be formulated beforehand. There was a significant conceptual confusion between 2001 and 2005, and each group seemed to think they had a better strategy and a more convincing slogan than the others. At the beginning, compliance with human rights standards was a major part of campaign communication. According to the first ITSN strategy draft from the year 2002, the goals were to be: “1. Link public focus on Beijing 2008 with human rights and the movement to free Tibet. 2. Gain commitment from International Olympic Committee (IOC) that human rights monitoring and accountability will be included in process leading up to Beijing Olympics. 3. Achieve greater freedom for foreign media to operate in Tibet and China”.32

The discussion about the objectives of the campaign lasted more than two years, while a series of protests took place. In retrospect, it was of essential importance to have started very early with the campaign activities. This helped to create awareness among supporters, potential outside funders, and to secure internal organizational funding. It can be safely assumed that the Tibetan Olympic campaign was the one campaign that had the highest turnover of financial resources in the modern history of Tibetan activism.33

 

The first international Olympic campaign against the 2008 Games in Beijing took place at the IOC Delegates Meeting in Moscow in 2001.35 Tibetans and supporters from Switzerland, the USA, England and India were there to prevent Beijing’s candidacy, and triggered an international media storm with their protest. For the first time, an activist group of Tibet supporters and Tibetans had managed to make the headlines worldwide. The mood among the activists was correspondingly enthusiastic.36

The slogan of the Moscow protest was: “China Plays Games With Human Rights”. Communication to the outside world suffered from the fact that various slogans were circulating. There were groups that openly called for a boycott, or put it into a conditional context: “No Olympics for China Until Tibet Is Free”. Others, on the other hand, chose the “Race for Tibet” and thus refrained from making any discernible political statement. Shortly before the Olympic Games in Athens, they switched to “Athens yes, Beijing no”. Finally, the international support meeting in Brussels in 2007 agreed on “Bring Tibet To The 2008 Games”, which had a subtle ambiguity that was not universally liked. One of the most active groups, Students for a Free Tibet, based their slogan on the official slogan: “One World, One Dream, Free Tibet”.

It was impossible to agree on a common slogan, and the efforts to formulate a common strategy were similarly tenacious and difficult.37 In contrast to the search for a slogan, however, the Olympics working group succeeded in reaching a minimum consensus on the campaign’s objectives in 2005, which was of greatest importance: the stage presented to the campaigners in the form of the Games was to be used by the campaigners to put pressure on the Chinese government. The campaigners agreed internally on a formula directed to Beijing: “Either you start to work for a political solution of the Tibetan issue or we will be there in 2008 and spoil your big party”.38 With this wording, they finally had left behind their internal disputes. Whether independence or autonomy was the ultimate goal is a political debate that still paralyzes the exiled groups to this day. (There was no talk of a boycott in the meantime. This would change again in March 2008, two years later.) Although the working group comprised many groups, it could not reflect all opinions. As in any grassroots movement, this meant that, when in doubt, each group did what it preferred.

In order to reinforce the threat of action on the ground, the working group was convinced that evidence was needed—ideally in the form of protests within China itself. These were actually carried out in 2004, 2006 and 2007. It was proved certain that actions behind the Great Wall were possible, and it was thus clearly communicated to Beijing that Tibetan groups would be in Beijing in August 2008. This threat had a psychological component, which formed the core of the campaign.

The campaign finally gained a convincing logic: The groups understood that the Chinese government had maneuvered itself into a blackmailable situation with the games, and that the campaign should not only carry out protests during the games, but also carry out actions in advance—when they would produce the greatest psychological impact. The Chinese Government had to be made aware of the responsibility on its hands: If they wanted trouble-free games, they needed to offer a political solution to the Tibetan problem.

Since ITSN had to ensure that the CTA’s sensitivities were not violated, it was agreed-upon to label the actions in China “individual non-ITSN actions”.39 The “ITSN-coordinated activities” included the protests against the Olympic torch relay, as well as Team Tibet activities, which had already started in 2007 and had an excellent public response. The group of Tibetan athletes who joined forces to form a Team Tibet deserve mention here. Their demand to the IOC was simple: We also want to be at the games!40 When the protests broke out in Tibet in March 2008, these activities were unfortunately over. In view of the many killings in Tibet, it was not possible to convey to the public the demand for participation in the games. The light and creative touch of the campaign, which had generated a great deal of media sympathy, disappeared.41

Throughout this process, the Tibetan Government in Exile and its leadership at the time showed virtually no interest in the 2008 Games. Occasional questions from journalists to the Dalai Lama led to his reluctance to make critical remarks, when compared to 1991. Nevertheless, the Chinese government publicly criticized him which led to his office’s  reaction on March 8, 2008, a few days before the uprising: “On the issue of the Beijing Olympics, it is common knowledge that his Holiness the Dalai Lama has consistently supported the right of China to host the 2008 Olympic Games”.42

In hindsight, it speaks to a certain carelessness of the campaigners that, while their overall goals were very ambitious and even highly utopian, a possible outbreak of mass protest in Tibet was never explicitly discussed during the planning of the campaign. The events that unfolded in the days and weeks after March 10, 2008 were, therefore, a surprise to them.

 

The Second Act: Surprised by Reality

The intensity of the 2008 protests in Tibet were unseen. It can be safely assumed that no one, not the Chinese leaders, the Dalai Lama nor the campaigners, had dreamed of such a thing. Though it is characteristic of Beijing’s mindset to think that the Dalai Lama or any other group from exile had instigated or masterminded the protest inside Tibet, the reality is, there were neither the resources nor the intention for such a plan.

The primary doubt that arose among observers is the question of simultaneous protests. How was that possible? In a paper published in 2012, Robbie Barnett points out that people in Tibet were well informed about the Tibetan shortwave radio stations and that mobile telephones made it possible to spread the news quickly:

All the information necessary for events to take place at roughly similar times was circulating worldwide in the international media, and these media outlets had been available for several years to most Tibetans through short-wave radio and satellite broadcasts from abroad. These broadcasts reach rural areas of Tibet more easily than urban areas, around which jamming stations are clustered. There was extensive publicity outside China and on these radio stations about exile plans to disrupt the preparations for the Olympics and to hold a march in India on March 10, the anniversary of the 1959 uprising that had led to the Dalai Lama’s exile. It was implicit in these reports that China would be less likely to use lethal force on protesters in the run-up to the Olympics, and it was well known that the Dalai Lama was involved in advanced stages of talks with the Chinese authorities, which protesters may have hoped to influence.”43

It is worth noting that it is confusing to state that all “necessary information” for a simultaneous uprising was readily available during the preceding years. It would be more adequate to say that the general mood in Tibet had reached a boiling point, with Chinese propaganda fueling the anger of the Tibetans, while foreign reports and news about the planned march by Tibetans from India to Tibet constantly raised expectations.44

Or to put it another way, the unbroken will to resist, the approaching Olympic Games, the underground debate and years of campaigns ensured that the ground was prepared for a nationwide protest without the need for conspiratorial coordination. The march in India, the monks’ protest in Lhasa and elsewhere in Tibet on March 10 were only the final sparks.

 

The protests in Tibet started on March 10, 2008—not on March 14, 2008 as the Chinese authorities claimed. Tsering Woeser provides a vivid impression of the 300 monks marching from Drepung Monastery to Lhasa chanting slogans along the way: “We demand religious freedom!”They also demanded the release of monks from their monastery who had been arrested a year earlier. The police intervened with tear gas and truncheons. A few hours later, they were followed by 14 monks from Sera Monastery, who in turn were brutally beaten. On the same day, a protest took place in Hualong in Qinghai Province, 2000 kilometers away.45

At the same time and unsuspectingly, a small group of Tibetan youth in the ancient greek city of Delphi came together for an alternative and Tibetan-style torch ceremony. It was the start of an alternative Tibetan torch tour.46

In retrospect, one can see how badly the Chinese government was prepared for these protests. The protests were tolerated for four days in the hopes of detaining as many ringleaders as possible, or possibly to depict the protests as violent. Images were repeatedly shown in which alleged Tibetan demonstrators ravaged shops. That didn’t help to calm spirits. On the contrary, the Chinese government’s violent verbal attacks against the Dalai Lama on March 18, 2008 poured even more oil on the fire.

The television reports of horsemen upon ponies invading an Eastern Tibetan city, or Tibetans storming police stations, raising the flag and proclaiming a free Tibet, triggered an unprecedented euphoria among Tibetans and their friends. However, there was danger of a brutal crackdown, and that the flow of news would dry up as soon as the Chinese military sealed off Tibet. In this situation, however, incredibly courageous people emerged in Tibet to ensure that the Chinese government’s plan failed.

Tsering Woeser ran a one-woman news agency in her small apartment in Beijing throughout 2008. With her blog, the petite but strong-willed Woeser managed for months to critically challenge the official government reports and to bring previously unnoticed facts into the limelight. This gave foreign correspondents in Beijing and the media outside China access to reliable assessments of events in Tibet. The Chinese government’s interpretation of the uprising, however, had no international echoes. It simply lacked credibility, although China made intensive efforts to regain media dominance over the issue. For this purpose, a group of foreign journalists was hastily taken from Beijing to Lhasa on March 27, 2008 to report on the “calmed situation”. In Jokhang Temple, 30 monks upset the plans of officials—to their complete surprise. They spoke through tears to the rolling cameras of foreign journalists about their despair, and the reality in Tibet, and that the Chinese propaganda was not to be trusted.47 A similarly disastrous action followed on April 9, 2008 in Labrang (Gansu Province) 2000 kilometers away, where a group of about 40 monks displayed a Tibetan flag and a banner with the inscription “His Holiness shall come to Tibet—fight for freedom” to the journalists present.

These events in Tibet and critical media reports made the Olympic Torch Relay a perfect focus for the latent popular annoyance in Europe and the US against the arrogance of the International Olympic Committee (IOC), the Chinese government and the international corporations—all of which did not care about human rights—let alone the rights of Tibetans. The torch relay thus built energy to an extent beyond which Tibetan activists could have dared to hope for. The downside of this dynamic was that it was no longer possible to control what form the protests took. In London, Delhi, Paris and San Francisco, passers-by spontaneously blocked the running route and an irrational struggle developed around the fetish of the Olympic torch, which in the eyes of the protesters had to be prevented from reaching China under any circumstances. An incident occurred in Paris: While trying to snatch the torch from a wheelchair-torch-runner selected by the IOC, she fell. The media’s pro-Tibet mood was in danger of turning into an anti-Tibet mood.

The Dalai Lama showed mixed feelings for the protests against the Olympic torch relay in San Francisco, which took place a few days before the interview with Der Spiegel. However, he understood the rage generated by the announced torch relay to Mount Everest. “If times were quiet, I wouldn’t be upset about it. But under these circumstances I understand the protests, without supporting them, of course.”48

The demand for a boycott picked up again during those days. President Sarkozy of France, US President George Bush, Polish Prime Minister Donald Tusk and British Prime Minister Gordon Brown all called on China to resume talks with the Dalai Lama and questioned their participation in the opening ceremony. Despite it all, George Bush attended the ceremony. In the case of France, it took more than a year for tensions between Sarkozy and Beijing to ease.49

The Dalai Lama, for his part, used the wave of public support to participate in a Tibetan rally in Berlin on May 19, 2008, in front of the Brandenburg Gate, to promote political support and to commemorate Chinese earthquake victims. He called on his people to refrain from protests in front of Chinese embassies. The Berlin rally was the first and by far the largest political rally in which the Dalai Lama had participated outside India. The event was mobilized and organized in only ten days, but more than 25,000 people came to express their solidarity with Tibet. In these days before the rally, the Dalai Lama answered the question of a boycott by asserting that he still supported the games. If the Western leaders were to boycott the opening ceremony, this would be their decision.50

From his point of view, this attitude was sensible. Less than a month earlier, the Chinese government had agreed to resume informal talks with the Dalai Lama. The press reported: “China appeared to bend to international pressure on Friday as the government announced it would meet with envoys of the Dalai Lama, an unexpected shift that comes as Tibetan unrest in western China has threatened to cast a pall over the Beijing Olympics in August”.51 For a few weeks, it actually looked as if the protests in Tibet had contributed to steps being taken towards a political solution. The Dalai Lama’s envoys met with their Chinese counterparts in May, then again in June, and finally at the end of October.

Of course, everyone had doubts about the sincerity of the offer, presumably also the Dalai Lama. But what could he do? On May 4, 2008, Tsering Woeser wrote: “Some Tibetans also pointed out that the talk is just a show, and it will only be beneficial to the Chinese side. The CCP can set their mind at rest over holding the Beijing Olympics, and the heads of the western countries can also rest assured about attending the Olympics. The sacrifices made by Tibetans will all be wasted. However, does the CCP really think that they can drag on like this until the Olympics are over?”52 Yes, this was the Beijing plan, and it worked.

 

The last act: The End

On August 6, 2008, the same day that “Leaving Fear Behind” premiered in Beijing, Students for Free Tibet started their activities in China’s capital. Their members climbed on street lamp poles with “Free Tibet” banners; unfurled Tibetan flags; and surprised the security forces with creative protests in the vicinity of the National Stadium, included L.E.D. lights banners and large-scale laser displays on buildings. All activists were detained and then deported, but they accomplished to briefly draw the media’s attention to the situation in Tibet, and thus deprived the Chinese government of its immaculate propaganda success.

In Tibet itself, protests continued unnoticed well after the Olympic Games. The increased military presence, the control of schools, the repeated self-criticism that affected not only Tibetans in Tibet, but also those who studied in Beijing, led China to regain control of the Tibetans. After the Games, China no longer had to take international opinion into account and could freely rule. The last lonely protest in a series of around 600 protests in 2008 was held by a courageous 31-year-old woman on the morning of December 29, 2008 in Kardze in East Kham. Kunchok Dolma went to Dontuk Monastery in the morning, presented an offering in the temple, then went to Kardze’s market, distributed leaflets and called out “Free Tibet” and “Long live the Dalai Lama”. Her arrest was the last in 2008, raising the total to 6810.53

There was a phase at the end of 2007 when the group “Games of Beijing” seriously considered whether it would not be possible to carry out the first joint action of Tibetans in exile and in Tibet during the Games in Beijing. A campaign leader had already been appointed. But the preparations were so complicated and dangerous, especially after the March uprising, that this idea was soon abandoned. At the beginning of January 2008, however, the possibility arose to receive unfiltered statements on film from Tibetans in Tibet. Even if it was impossible to predict the quality of the material, it was clear that the film would be a sensation. On March 10, 2008, a Tibetan-born British woman named Dechen Pemba, who lived in Beijing, met a man from Tibet whom she did not know at the time in Xi’an. He was Dhondup Wangchen, who was arrested 16 days after the handover of the tapes.

The group Games of Beijing had planned the premiere of the 26-minute documentary as the last action for Beijing. Even though this film had nothing to do with the Tibetan Olympic campaign, in the strictest sense, it brought the slogan “Bring Tibet To The Games” to real fulfillment. The film had succeeded in raising the complaints, hopes and wishes of Tibetans inside Tibet to audiences at the Olympics in Beijing.

On his long flight back to his family, Dhondup Wangchen probably imagined how he could explain to his children, wife and parents the reasons for making this film, and how he could justify this sacrifice of six years in prison and labor camp, and another three years of separation from his family. The sentence of six years in prison, he may have concluded, was first and foremost proof of the Chinese state’s revengefulness. It may comfort him and his family – who are mentioned here as examples for the many brave people in Tibet – that thanks to their determination China’s intention to silence the people in Tibet at the Games, was impeded.

 

A Short Epilogue

On our journey into the present, we bring along a selection of memories of the people we’ve met, of the events that have shaped us, and of the stories that help us to understand the world and ourselves. The desire to share these stories that represent our lives is deeply human, and helps us to find our way into the future. The untiring effort to do this with sincerity is fundamental to human culture. Everyone contributes with his story to weaving a bond of memories that unites us as a family, community and nation. As for Dhondup Wangchen, it will hardly be the view down upon the Rocky Mountains that soon fades. He will guard other stories, like a precious fire in himself, to ensure that his sacrifice was not meaningless.

All we can do is puzzle over how the Dalai Lama remembers the 2008 uprising and this extraordinary September 12th, 2008. On this day, the Dalai Lama invited representatives of Tibetans in exile in a grand announcement to a special meeting in Dharamsala in northern India. His envoys had visited China two times since May 2008, and it became apparent that China’s willingness to talk was not serious.54 On October 25, the Dalai Lama announced that his confidence in the Chinese leadership had become “thinner and thinner” and that he had almost given up hope of finding a solution with the current leadership in Beijing.55 His desire to speak plainly in the face of collapsing hopes seemed to be closely linked to the dramatic events of the Olympic year 2008.

For its part, the Chinese government clearly formulated its blatant distrust of the Dalai Lama and the rounds of Sino-Tibetan talks that started in 2002 in its most recent white paper on Tibet: “When they thought the situation was working to their disadvantage, they would call for contacts with the central government; when they thought the situation was in their favor, they would break off these contacts. None of the negotiations were conducted in good faith—it was always the intention of the Dalai Lama and his supporters to divide China and achieve independence for Tibet.”56

If the Dalai Lama’s political strategy vis-à-vis Beijing over the past decades could be summed up in a nutshell, it is the role of an “honest broker” for his people. It was never his political temperament, and it will never be, to lead a political movement and direct his people to political action.57 Instead, he prefers pointing to the dire conditions in Tibet, making sensible suggestions as to how the problem could be solved to mutual benefit, with a compromise (“middle way”) and lobbying for international support. The uprising in Tibet and sudden dynamics around the Olympic Games were a unique test of his strategy. The louder the dissatisfaction in Tibet, the greater the international solidarity and the more international support (his most effective lever against Beijing) he received. However, the escalation of this mechanism led at the same time to a deepening of mistrust in Beijing.

More support for Tibet from the international community than what was received in 2008 is hardly conceivable.58 If no talks could be held, even under conditions such as in 2008, the model of the “honest broker” should be fundamentally reconsidered. No one can blame the Dalai Lama for trying. However, it raises questions to stick to this model, ten years after 2008, when it is clear that this path does not lead to a solution. It’s time to test other ways.

On November 17, 2008, the delegates of the “Special Meeting” met in Dharamsala.59 Due to the events of the last months, there was also a huge interest from the international media in the meeting. Journalists and television teams were everywhere in the streets of Dharamsala. Everyone who had rank and name among the exiled Tibetans was there, and debated for four days about the future course of the Tibetan government in exile. Never before—or later at similar meetings—has the debate been so open.60

A collection of individual responses from Tibet, supporting the course towards China of the Dalai Lama and the Tibetan Government in Exile (TGIE), played a crucial role in the debate. However, the discussion in the individual sub-groups was very lively. While some of the participants wanted to deal with the fundamental political situation, others were emotionally overwhelmed by the suppression of the uprising, and others discussed topics that ultimately had no relation to the current crisis and its consequences.

Two things became clear as the result of the past months:

  1. China is not prepared to talk to the Dalai Lama about any kind of solution to the Tibet problem.
  2. Their willingness cannot be enforced in the foreseeable future by maximum use of the known means of political campaigns, pressure or diplomacy.

What was needed then, and still of importance, is a discussion based on a analysis of the 2008 events, because there are a number of lessons from 2008 that are still valid today. An important lesson and core element of any future political strategy must be: Better understanding of the effects of our exile activities, the reality in Tibet, and the importance of communication with the the people of Tibet can unleash great potential. However, if we are to use our limited resources to provide meaningful support for political action inside Tibet and China, we need an open exchange on actions, their objectives and forms. Especially the self-immolations show that, if there is no exchange, and the Tibetan movement outside Tibet only acts as recipient and passive amplifier of news from Tibet—it leads to hopeless cycles of tragic repetition. An open discussion could lead to new perspectives and new forms of political struggle. But this hasn’t happened.

The delegates of the “Special Meeting” had no right to make binding decisions. Nevertheless, it was understood that the final document would point the way forward.61 As expected, the document would maintain non-violence, and condemn the Chinese government for the plight in Tibet. The September and October euphoria for a change of course was no longer felt by the higher-ups. November had taken away the CTA’s courage. The existing policies were reaffirmed—though against some resistance, a small group managed to include a clause in the final declaration stating that, if there is no change in China’s attitude in the foreseeable future, all strategic options, including the final political goal (autonomy, self-determination and independence) for Tibet should be examined.62

Ten years have passed since the flame extinguished in the Olympic stadium in Beijing. The political situation in Tibet and China has hardly changed since. Unfortunately, this also applies to the internal Tibetan debate. Since then, two elections to the exiled Tibetan parliament and the current exiled leadership have taken place, without alternative plans being presented. On the contrary, as a rule, the candidate who spoke out most clearly in favor of continuity and the “middle way” won. It was made clear in 2008 that Tibetans must free themselves from the same eternal debate of “autonomy”, “independence” or “the right of self-determination” for Tibet. They must look beyond this barren triangle for new political strategies. It is high time to think about alternative ways to freedom. Better ideas are necessary.


Endnotes

  1.  Wangpo Tethong led the International Tibet Olympic Campaign from 2003 to 2007 and was responsible for coordinating the activities of the members of the International Tibet Network. The task of the working group, which he headed, was to formulate a common strategy. In 2008 he worked with a group of young Tibetans from Switzerland and the UK on the post-production and distribution of Leaving Fear Behind. In the years that followed, he campaigned for the release of the two filmers, Dhondup Wangchen and Golog Jigme. He thanks Tenzin Tsundue, B. Tsering, Tenzin Sewo, Dechen Pemba, Yeshi Ngingthatshang, Golog Jigme and Jamyang Tsultrim, Tenzin Kelden, Dicky Tethong and Flo Norbu for the information and suggestions for this article; however the conclusions are the sole responsibility of the author. The article is a translation from “Das Aufstandsjahr 2008 und die Olympischen Spiele” 
  2. Dhondup Wangchen was sentenced to six years in prison for this film, the charge was “subversion of state power”. The film “Leaving Fear Behind” is available online. https://www.youtube.com/watch?v=wi8U-asY1QI
  3.  Tsering Woeser, “Ihr habt Gewehre, ich einen Stift,” Eine Chronology der Ereingisse 2008  in Tibet, Berlin, 2009
  4. The course of Google searches for the two terms “Dalai Lama” and “Tibet” shows a steep curve upwards in March 2008, which dropped significantly by May, See Powerpoint presentation “Olympics Campaign 2008”, VTJE Easter Conference, Einsiedeln, 2018
  5.  See the excellent article by Robert Barnett. According to Barnett, China speaks of 9, International Campaign for Tibet of 140 and the Central Tibetan Administration of 210 deaths, Robert Barnett ” The Tibet Protests of Spring 2008 “, China Perspectives, March 2009, URL : http:// chinaperspectives.revues.org/4836
  6. See the NYT article of April 4, 2008, source: http://www.nytimes.com/2008/06/04/world/asia/04tibet.html
  7. See Tsering Woeser, p. 64ff, 30 Chinese writers publish a document with 12 proposals on how to deal with the crisis in Tibet.
  8. I refer to the article by Ben Blanchard from Reuters. The second performance took place in Hotel “G”, which was blown up by hotel management and the security forces. A third screening for human rights experts and Tibetan experts took place a few days later at the Dutch Embassy in Beijing. https://www.reuters.com/article/us-olympics-tibet-idUSPEK4204620080806
  9. After his escape from Tibet, Dhondup Wangchen made a stop in Switzerland. The members of Filming for Tibet did a formal debriefing with him on December 23, 2017 and reconstructed the events. The above information is based on the notes of this debriefing.
  10. According to Florian Norbu, a total of 46 courageous activists took part in the protests. The majority were non-Tibetans. He was a representative of the Tibetan Youth in Europe Association in Beijing and was arrested after an action on August 22, 2008 and taken to an interrogation center. The first protest by these same groups, in which 6 people participated, took place in 2007, far in advance of the Games at the Great Wall of China. The other actions took place during the Games in Beijing.
  11. Since the events related to the campaign are described in detail here, the interpretation of the insurrection naturally receives an intentional and actor-related linearity. This is deliberate and is intended to form a conscious contrast to the mostly structuralist and determinist approaches to explanation.
  12. March 18, 2008, China blames Dalai Lama for riots http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/7302021.stm
  13. March 18, .2008, “Dalai Lama denkt über Rückzug aus der Öffentlichkeit nach”, www. spiegel.de
  14. See the very detailed interview with the Dalai Lama with “Der Spiegel” editor Erich Follath and the correspondent Padma Rao. The following quotes are from this interview.
    “Ich bete für Chinas Führung, Interview mit dem Dalai Lama,” Der Spiegel, 20/2008
  15. All quotes are from an interview with the German news magazin Der Spiegel.
  16. See Tibet’s Path of Development Is Driven by an Irresistible Historical Tide, The State Council Information Office of the People’s Republic of China, April 2015, Beijing http://www.xinhuanet.com/english/china/2015-04/15/c_134152612.htm
  17. See his article in which he urges the Tibetan government in exile in Dharamsala to oppose the events: Jamyang Norbu, Don’t stop the revolution, April 4, 2018 http://www.jamyangnorbu.com/blog/2008/04/04/don’t-stop-the-revolution/
  18. See the pictures of the rallies on the excellent website http://www.uprisingarchive.org.
  19.  See also the blog entries of Tsering Woeser, Ihr habt die Gewehre, ich einen Stift, Eine Chronologie der Ereignisse 2008 in Tibet, Berlin, 2009
  20. The analysis of the report is significantly weaker than its chronology.
    Central Tibetan Administration, CTA:2008 Uprising in Tibet – Chronology and Analysis, Department of Information and International Relations, Dharamsala 2010, http://tibet.net/wp-content/uploads/2011/08/tibetprotest2008.pdf
  21. The whole report can be read on the website of the Interantional Campaign for Tibet.: www.savetibet.org/bold-report-by-beijing-scholars-reveals-breakdown-of-chinas-tibet-policy
  22. Radio Free Asia Discussion with Dhondup Wangchen and Kunga Tashi on March 17, 2008, www.rfa.org/tibetan/tibet/discussion-about-the-impact-of-2008-protest-in-tibet-03172018133506.html
  23. The self-immolations influenced, in any case, the Tibetans’ view of the largest Tibetan uprising since 1959: On the one hand, a narrative emerged that the development after the 2008 uprisings to self-immolations was stringent and without alternative. On the other hand, countless speeches at Tibetan rallies have described individual martyrdom as the highest form of protest, which aroused awe but no effective follow-up from audiences when compared to 2008.
  24. In 2004, an international coalition of Tibetan groups in Athens carried out several actions at the Olympic Games: Sophie Bod and Anne Callaghan from Free Tibet Campaign as well as Dechen Pemba, Yeshi Ngingthatshang, Norlha Monkhar, Tenzin Sewo, Kelsang S. , Tenzin Frischknecht, Tashi Büwang, Martin H. and Wangpo Tethong were present. (all from Games of Beijing) and Jacky Miller and Hara Kolomiri from the Greek Tibet groups. In 2006, the first action of an exiled Tibetan took place in Beijing. Wangpo Tethong, Martin H., Tenzin Sewo  and Dechen Pemba were involved in this action on Tiananmen Square in 2006.
  25.  My conversation notes, conversations with Golog Jigme and Jamyang Tsultrim, 4 May 2018. It was a book containing texts by Hortsang Jigme and Alag Jigme, among others.
  26. Kyag Kyog Che wa’i bZhud Lam Dang Wo’d sTong ‘Bar ba’i Mi Tse,  Tibetan Buddhist Publication, 2005/2006, S. 231 (ཀྱག་ཀྱ་ཆོགྱེ་བའི་བཞ་འབརུད་ལམ་དང་འོདྟ་ཚོང་འབར་འབར་བའིི་དཔ་,བོད་བརྒ་ཆ་ས་ནང་ཆོས་དཔ་ཚོགས་,་ཚ/2006)
  27.  Leaving Fear Behind, https://www.youtube.com/watch?v=wi8U-asY1QI
  28. Conversation notes with N.N., a person who does not want to be named. Private archive
  29. The following information is based on two folders with my documents about the activities of Games of Beijing. Games of Beijing was founded on November 2, 2002 in order to bundle and finance the activities of the organizations in Switzerland. The association was dissolved as agreed in 2009. Only sponsoring organizations could be members. The composition of the activists changed continuously.
  30. The working group of the International Tibet Support Network was founded in Prague in 2003. It met again in Paris in 2004, in Zurich in 2005 and then in 2006 in Dharamsala in full attendance. The members of the working groups were volunteers and were supported by the ITSN secretary. From 2003 to 2007 Wangpo Tethong was chairman, followed by Lhadon Tethong.
  31. Tenzin Tsundue (Tibetan activist and one of the organizers of the march) and B. Tsering (former President of the Tibetan Women’s Association, member of the ITSN Olympic Working Group and co-organizer of the meeting in Dharamsala) were both involved in this action and confirm the course of events described here. See email and WhatsApp Message to Wangpo Tethong dated April 5, 2018.
  32.  The first strategy papers were drafted according to my memory by Alison Reynolds, who played a leading role in the campaign up to its end.
    cf. Documents of the ITSN Working Group, Wangpo Tethong private archives
  33. The estimated 300’000 Swiss Francs that the Swiss groups (Games of Beijing and Filming for Tibet) spent from 2001 to 2008 are, however, a very small amount compared to the millions that China invested in the Olympics
  34. There had already been a action by Tibetan activists in Monaco in 1991. Beijing lost to Sydney at that time. The memories of the suppression of the student uprising at Tiananmen Square were still too fresh.
  35. On site were Yangzom Brauen, Tenzin Sewo, Chokey Choklay and Alex B. from Switzerland, as well as John Hocevar (SFT) from the USA, Anne Callaghan (Free Tibet Campaign) and Karma Yeshi (Tibetan Youth Congress, India). From Zurich, the team was supported by Tseten Allemann, Nyima Thondup, Diki Lamdark and Jigme Ribi. Many of these activists remained committed to the campaign until 2008 or beyond, in many ways for Tibet.
  36. See Wangpo Tethong’s email to Alison Reynolds and Anne Callaghan dated Aug. 3, 2002, discussing in detail the initial contact with Hein Verbruggen, Chairman of the Coordination Committee for the 2008 Games, and the objectives of the campaign. The members discuss if the campaign should take a principal stand, oppose the IOC, or focus on issues such as the free access of foreign journalist to information in China, or standards of human rights by the IOC, etc.  
    cf. Documents of the ITSN Working Group, Wangpo Tethong private archives
  37. The ITSN working group agreed on this formula in 2005, but it was not communicated directly to the outside world. See Powerpoint Presentation, 2006 Dharamsala Meeting.
  38.  See Powerpoint presentation from 2006, the graphic has been available in a similar form since 2005. The graph shows a “road map” plan for the years 2003 to 2008, which has an almost prophetic character. On the left, a sequence of direct actions in China; and on the right, the public actions against the torch relay and other activities like Team Tibet, media work, etc..
  39. A Tibetan National Olympic Committee was also established specifically for the 2008 games. The activities were coordinated from Switzerland, but the athletes came from India, France, Germany and the UK. The highlight was certainly Thomas Mann’s invitation to the European Parliament on November 8, 2007.
  40. The extent of creativity is impressive, in retrospect: Alternative torch races, participation in popular races, football matches with prominent opponents and participation of the Tibetan team in a TV game show. In Switzerland, the majority of these activities were managed by Keli Gope. In India, there was talk of holding alternative Olympic Games, which were propagated by Lobsang Wangyal.
  41.  Reuters, 8. März 2008 www.reuters.com/article/us-china-olympics-dalailama/dalai-lama-supports-beijing-olympics-aide-idUSSP11553420080308,
    See also the statement by the Dalai Lama, on the occasion of the 10th March uprising of 1959 www.dalailama.com
  42. Robert Barnett, ” The Tibet Protests of Spring 2008 “, China Perspectives, posted March 2009,
    URL : chinaperspectives.revues.org/4836
  43.  Though it was clear from the start that the march would be stopped by Indian border police, the action created a huge media hype—but not too much enthusiasm with the Dalai Lama, who said: “I have also discouraged the organizers of the so-called peace march from here in Dharamsala to the border of the People’s Republic, because this could lead to disputes with the armed border guards.”
    Interview with the Dalai Lama, Der Spiegel, 20/2008
  44. cf. Tsering Woeser, p. 34ff.
  45. There is a very interesting video by Dondup Shelkar documenting this very poetic event, The start of the alternative Tibet Torch Tour was organized by members of the Tibetan Youth in Europe Association in cooperation with the Tibet Olympia Group.
  46. cf.  www.uprisingarchive.org/lhasamt.html
  47. Interview with the Dalai Lama, Der Spiegel, 20/2008
  48. see NYT article of April 1, 2009, http://www.nytimes.com/2009/04/02/world/europe/02france.html
  49. see Guardian article of May 21, 2008, http://www.theguardian.com/world/2008/may/21/tibet.religion
  50. see NYT, April 25, 2008, http://www.nytimes.com/2008/04/26/world/asia/26china.html
  51. Woeser’s Blog, “Tibet Update May 1- 6, 2008,” http://chinadigitaltimes.net/2008/05/woeser-tibet-update-may-1-2008
  52. See “2008 Uprising in Tibet – Chronology and Analysis”, p. 166
  53. An interesting collection of newspaper articles and opinions on the topic can be found on this blog: http://www.specialmeeting.wordpress.com
  54. http://www.content.time.com/time/world/article/0,8599,1855884,00.html
  55. See White Paper, 2015
  56. It is undisputed that he has the potential to do so, in principle. In 2006, when he spoke out very emotionally but rather unplanned against wearing fur, he triggered a real popular movement in Tibet. For months Tibetans gathered to burn their precious fur stock.
  57. It can also be assumed that the majority of Tibetans supported the policy of the “middle way”. However, it must be said that they would also support a change of course—if there had the blessing of the Dalai Lama.
  58. The author was a participant himself and was there together with Yeshi Ngingthatshang and Tendon Dahortsang, two representatives of the Association of Tibetan Youth in Europe. The special aspect of this meeting was that many activists were invited. The majority of the approximately 560 participants were provided by former or current CTA officials.
  59.  See for the author’s and other’s opinion on this meeting.  www.specialmeeting.wordpress.com
  60. The short report by Tenzin Tsundue provides a good impression of the highly emotional meeting. The young Tibetan woman he mentions is Yeshi Ngingthatshang. See Tenzin Tsundue, The Tibetan Resolution, 29 December 2008, http://www.tenzintsundue.com/2008/12//the-tibetan-resolution
  61. In my memory, the Tibetan text on the official CTA website does not correspond to the final document read out to all participants. See the report on the 1st Extraordinary Meeting of 21 November 2008, www.bod.asia/2008/11/༄༅༅།།བཅའ་ཁྲིམས་དོན་ཚན་ང/

 

Money, money, money

A lot of concern has been caused by the announcement of some US Tibet programs to be reduced. Friends in US Congress, CTA and Tibet groups in US are now trying to change this. I understand these concerns and basically support these activities. 

However, it is time to rethink this whole matter and also adjust our longterm policies. During Samdong Rinpoche’s tenure, there was the decision to sell all CTA enterprises and privatize them. Looking back one can only shake the head how this could happen. It was a crude mixture of Neo-Liberalism and Gandhian puritanism that led to this fatal decision. Sikyong Lobsang Sangyal announced self-reliance as a corner-stone of his future work. Instead of strengthening our self-reliance it appears that Tibetans became even more dependent on foreign aid!  

It is time for some fact based and policy oriented re-assessment of this fundamental issue:
1. Analysis of the current financial situation, the flow of money of the CTA activities, including all other Tibet groups.
2. Develop some long term projections and scenarios for CTA as well as the movement. Strategize and define our core interest for the future.
3. Start a self-reliance program (by CTA as well as the Tibetan NGOs) that really deserves the label of self-reliance and make our political activities less dependent on foreign aid.

It was foreseeable that we could face these problems. In February, I wrote this on my blog: “Tibetans and the CTA have become very dependent on US aid and it is very debatable if this is a healthy development.  …. Will they be funded in the same way and will there be new conditions attached to it from the US side? We do not know. What we know from the 50ties and 60ties is that US-American funding can be more of a curse than a blessing, especially when it dries out.”

Nun soll die Justiz entscheiden

Ich habe es mir paar Mal durch den Kopf gehen lassen, ob ich die Anzeige gegen die Verantwortlichen in Bern, über die gestern in den Medien berichtet wurde, einreichen soll oder nicht.

Es wäre mir lieber gewesen, wenn es andere – vielleicht ein „wirklicher“ Schweizerbürger“ – getan hätten oder ich nicht alleine gewesen wäre. Es war vorauszusehen, dass ich nicht als ein Bürger dieses Landes, sondern ausschliesslich in meiner Rolle als Tibeter gesehen werde. Der Rattenschwanz an diskriminierenden öffentlichen Kommentaren, der dieser Anzeige folgen würde, war folglich absehbar. 

Der Ablauf in gekürzter Fassung: Eine Hundertschaft von Menschen mit chinesischer Herkunft durfte sich auf dem Bundesplatz zu einer grossen Willkommenskundgebung für Xi Jinping formieren. Ich und Tseten wurden hingegen abgeführt, weil wir zusammen ein kleines Transparent hochhielten. Das war lange nach der unbewilligten Kundgebung der Tibeter Jugend, über die in den Medien viel berichtet wurde. Während also einer grossen und einflussreichen Gruppe die volle Meinungsfreiheit zugestanden wurde, haben die Behörden unliebsame Meinungen verhindert. (Für die Rechtsinteressierten: Es war keine Kundgebung, an der ich teilnahm. Es war eine simple Meinungsäusserung, die nicht bewilligungspflichtig ist.)

Die Behörden haben an diesem Tag, in willkürlicher Art die Grundfreiheiten in einem Ausmass eingeschränkt haben, die für die Schweiz untypisch ist. Ein Journalist sprach von “Jagdszenen”. Es ist des weiteren ein Amtsmissbrauch, weil eine behördliche Gleichbehandlung der verschiedenen Meinungen nicht gewährleistet war. Als Bürger und Bürgerinnen eines demokratischen Gemeinwesens ist es an uns, die Grundwerte, auf die es aufgebaut ist, zu beachten. Das gilt auch für die Behörden. Nun soll die Justiz entscheiden.

http://www.tagesanzeiger.ch/…/TibetAktivist-…/story/23973851

Chinas wachsender Einfluss

Das Titelthema des neuen BRENNPUNKT TIBET von der Tibetinitiative Deutschland lautet “Harte Massnahmen und Weiche Macht – Chinas wachsender Einfluss”.  U.a. ist darin auch ein Interview, das Nadine Baumann mit mir geführt hat, erschienen. Wer das ganze Heft bestellen möchte, kann dies hier tun.

++++

„Die Chinesen werden immer mehr Wünsche nach Kontrolle unserer Freiheiten haben, weil ihre Furcht vor der ‚Unordnung der Freiheit‘ grenzenlos ist.“

Interview mit Wangpo Tethong, Tibet-Aktivist und Autor

Wangpo Tethong, 1963 in Trogen in der Schweiz geboren, ist Tibet-Aktivist, Autor und ehemaliges Mitglied des Tibetischen Parlaments im Exil in Dharamsala. 1988 arbeitete er als Assistent für die Grünen-Politiker Petra Kelly und Gert Bastian in Deutschland. und 1989 arbeitete er mehrere Wochen freiwillig mit Petra Kelly und Gert Bastian für die erste Tibet-Anhörung in Deutschland. Wangpo Tethong war Mitglied des Tibetan Youth Congress in Europa und von 1986 bis 1990 dessen Präsident. Der Tibet-Aktivist ist vor allem für seinen unerschütterlichen Einsatz für die Freiheitsrechte der Tibeter bekannt. Anlässlich der Olympischen Spiele 2008 in Beijing reiste er nach China und stellte sich mit einem Transparent auf den Platz des Himmlischen Friedens. „Hu, Du kannst uns nicht aufhalten! 2008-FreeTibet.org“ war darauf zu lesen. Das Banner galt dem damaligen Staatspräsidenten Hu Jintao. Wangpo Tethong konnte einer Festnahme entgehen und sich in die Schweizer Botschaft flüchten. Auch zum Staatsbesuch des jetzigen Präsidenten Xi Jinping in Bern hatte er ein Transparent dabei. Dieses Mal wurde er jedoch von der Polizei abgeführt.

Du bist viele Jahre in der Tibet Bewegung aktiv. Nun warst du bei den Demonstrationen zum Besuch von Chinas Staatspräsident Xi Jinping im Januar in Bern dabei. Tibeter wurden verhaftet, und man wirft der Polizei grobes Verhalten vor. Wie hast du den Protest erlebt?

Bern glich an diesem Nachmittag einer belagerten Stadt. Den Tibet-Organisationen wurde mitgeteilt, dass Scharfschützen das Parlamentsgebäude hermetisch absichern würden. Ihnen wurde am Vormittag als Trost zugestanden, also vier Stunden vor Ankunft von Xi Jinping, eine Kundgebung abzuhalten. Nachher waren alle Proteste verboten. Auch einzelne Berner Bürger durften sich nicht mit einer Tibet-Flagge oder einem Transparent zeigen. Die Polizei hat sogar Anwohner aufgesucht, die schon seit Jahren eine Tibet-Flagge ausgehängt hatten.

Ich war nach Abschluss der offiziellen Kundgebung – an der die Abgeordnete Regula Rytz von den Grünen sprach – mit meiner Frau alleine vor dem Bundesplatz. Nur Leute mit chinesischen Pässen wurden durchgelassen. Schon ein kleines Transparent hat schließlich ausgereicht, dass ich mit einem Freund zusammen verhaftet wurde. Junge Mädchen, die zaghaft ein paar Tibet-Slogans riefen, wurden von schwer bewaffneten Polizisten regelrecht gejagt. Zum Glück hat ein Schweizer Journalist diese beschämenden Szenen gefilmt. Weil ein solch rigider Polizeieinsatz gemäß Schweizer Recht und der Europäischen Menschenrechtskonvention nicht erlaubt ist, hat die politische Führung in Bern behauptet, dass die Verhafteten sich einer Personenkontrolle widersetzt hätten, was ja nicht stimmte. Gott sei Dank kann die Wahrheit mit Bildern belegt werden.

Was war anders im Unterschied zu früheren Demonstrationen? 

Der größte Unterschied ist die Veränderung in der Haltung der Offiziellen der Schweiz. Es wurden Vorkehrungen getroffen, die beispiellos sind. Die Unterwürfigkeit ging diesmal so weit, dass man am Tag nach den tibetischen Protesten die Zeitungen, die Bilder von tibetischen Flaggen veröffentlicht hatten, aus den Räumlichkeiten des Medienanlasses mit Xi Jinping entfernte, damit die chinesische Delegation sich ja nicht über diese „ungeheuerlichen“ Bilder aufregte. Das ist der Tiefpunkt einer Entwicklung, die wir seit Jahren in der Schweiz mit Sorge beobachten. Was mich betrübt, ist die schwächelnde Mobilisierungsfähigkeit der Tibet-Organisationen. Es fehlt an Leadership in der Schweiz – und aus meiner Sicht übrigens auch in Deutschland. Man begnügt sich mit zu wenig. Den Tibet-Organisationen fehlt auch das Knowhow. Das führt dazu, dass die Beteiligung der Nicht-Tibeter und Nicht-Tibeterinnen von Jahr zu Jahr abnimmt und wir kaum wirkungsvolle Koalitionen bilden können. Es ist Zeit, dass alle von Dharamsala bis Berlin und Bern aufwachen und sich diesem Trend widersetzen.

Stimmen werden laut, die sagen, Proteste seien nutzlos, sofern Xi Jinping sie nicht selber sieht. Wie siehst du das?

Es entspräche unseren demokratischen Umgangsformen und wäre natürlich wichtig, wenn er etwas von den Protesten mitbekäme. Dass aber bereits die Möglichkeit solcher Proteste Wirkung erzielen kann, ist diesmal sehr deutlich geworden. Xi Jinping ist ein Diktator. Das Regime, das er vertritt, ist autoritär und unfrei. Dank der tibetischen Proteste wird immer wieder an diesen Makel erinnert. Die Verunsicherung auf chinesischer Seite ist so groß, dass Xi sich unter größten Sicherheitsvorkehrungen ins Parlament reinschleichen musste. Hätte es die Proteste 1999 beim Besuch von Jiang Zemin und der anderen chinesischen Führer in der Vergangenheit nicht gegeben, würde das anders aussehen. Xi wäre mit stolzer Brust vorgefahren. Dass dem nicht so war, ist gut und muss so bleiben.

Tibeter werden in der Schweiz seit Kurzem als Chinesen im Pass geführt, das ist neu. Immer häufiger werden Asylanträge von Tibetern abgelehnt. Es vergeht kaum ein Monat ohne einen Besuch einer chinesischen Delegation. 2014 wurde ein Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China abgeschlossen. Glaubst du an einen Zusammenhang?

Verlässliche Quellen haben uns gesagt, dass die Änderung im Passbereich auf Druck der Chinesen geschehen ist und mitnichten nur eine administrative Maßnahme war. Ich vermute, dass die Schweizer Zustimmung zu diesen Forderungen mit dem Freihandelsvertrag zusammenhängt. Die Schweizer Regierung macht einen Fehler, sollte es so sein, dass sie die Tibeter als Spielmasse für ihre wirtschaftlichen Interessen einsetzt. Die Chinesen werden nämlich immer mehr Wünsche nach Kontrolle unserer Freiheiten haben, weil ihre Furcht vor der „Unordnung der Freiheit“ grenzenlos ist.

Xi Jinping ist ein Diktator. Das Regime, das er vertritt, ist autoritär und unfrei. Dank der tibetischen Proteste wird immer wieder an diesen Makel erinnert.

Gibt es womöglich eine grundlegende Korrektur im Umgang mit den Tibetern, ausgerechnet in dem Land, das sie nach 1959 als einziges außerhalb Asiens willkommen geheißen hat?

Es ist ein Pendel, das langsam hin- und herschwingt. Es gab Ende der 90er Jahre etwas mehr Mut und Verständnis für unsere Anliegen, heute herrscht wieder die Rhetorik von „Schweizer Interessen haben Vorrang“. Damit sind allerdings fast ausschließlich die wirtschaftlichen Interessen von einigen wenigen Branchen und Firmen gemeint, denn der Freihandel entwickelt sich für den Rest der Schweizer Industrie ganz schlecht Daran werden auch die jetzt erfolgten Nachbesserungen nichts ändern.

Und wenn ja, wie verhalten sich die Schweizer Bürger dazu? Wie erlebst du insgesamt die Unterstützung von Tibet-Aktivisten. Hat sie nachgelassen, oder ist sie anhaltend stark?

Die grundsätzliche Sympathie gegenüber den Tibetern und die Solidarität mit den Unterdrückten dieser Welt sind immer noch vorhanden. Es gab im Vorfeld des Besuchs die Kampagne „Talk-To-China“, die ausschließlich von prominenten Schweizer Bürgerinnen und Bürgern aus allen politischen Lagern getragen wurde und dies zum Ausdruck gebracht hat. Die Unterstützung von Tibet-Aktivisten ist nie das Ziel gewesen. Es geht ja um das Anliegen, das sie vertreten. Dennoch kann man sagen, dass mehrheitlich die Ansicht vertreten wird, dass die Tibet-Aktivisten die Freiheit hätten haben sollen, ihre Meinung zu äußern. Gut fand ich, dass unter den 10 bis 15 Aktivisten am Nachmittag mindestens zwei gebürtige Schweizerinnen waren. Eines ist klar: Wir müssen in diesem Bereich besser werden.

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland, in Dänemark oder Tschechien wirft man der Polizei vor, das Demonstrationsrecht bei Staatsbesuchen aus China einzuschränken. Müssen wir uns um unsere eigenen Rechte Sorgen machen?

Wir müssen uns erst dann Sorgen machen, wenn wir nicht mehr bereit sind, für unsere Rechte einzustehen. Das heißt: Es ist an uns, den Behörden zu erklären, dass sie sich juristische Probleme vor Gericht einhandeln, wenn sie das Gebot der Verhältnismäßigkeit derart verletzen, wie sie es jetzt in der Schweiz getan haben. Am besten sollte man es ihnen im Vorfeld von chinesischen Besuchen klar sagen. Die Schweizer Tibet-Organisationen sollten dem dänischen Beispiel folgen und vor Gericht gehen.

„Wir müssen uns erst dann Sorgen machen, wenn wir nicht mehr bereit sind, für unsere Rechte einzustehen.“

Der Einfluss Chinas wächst auch in anderen Bereichen, z.B. in den Medien – inzwischen beugt sich sogar schon Hollywood. Wird Chinas Einfluss irgendwann grenzenlos sein?

Das hoffe ich nicht. Die Schweiz, die anderen Länder in Europa und auch die EU müssen zu einer besseren Einschätzung Chinas und ihrer eigenen Stellung in der Welt gelangen. Trump – er hat katastrophale Pläne, was Umwelt, Handel, Minderheiten, Klimawandel und alles andere Wichtige betrifft – könnte aber in Bezug auf China durchaus etwas richtig erkannt haben: China ist kein guter Partner für die USA und die demokratischen Länder des Westens. Es ist eine Supermacht, die eine alternative Rechts-, Welt- und Handelsordnung durchsetzen will. Wenn man das erkennt und sich nicht in die Globalisierungsfalle begibt, wird der Einfluss begrenzt werden können.

Was können wir gegen den wachsenden Einfluss Chinas in Europa tun?  

Das weiß ich leider nicht. Eins gibt es allerdings: Deutschland und die übrigen EU-Staaten sollten sich kritisch mit dem Freihandelsabkommen Schweiz- China beschäftigen. China sieht diesen Vertrag mit der Schweiz als eine Vorlage für die EU. Ziel mag sogar sein, im Falle, dass die EU schwächelt, mit einzelnen Ländern solche Handelsverträge zu schließen. Meiner Überzeugung nach wurde der Vertrag zwischen China und der Schweiz von einigen wenigen Branchen aus Eigennutz gepusht. Die in Aussicht gestellte gleichberechtigte Marktöffnung in China und der Nutzen für alle lassen auf sich warten, und während dessen kaufen chinesische Investoren fleißig schweizerische Firmen.

Vielen Dank für das Gespräch, Wangpo, und viel Erfolg für deinen weiteren Einsatz.

//INTERVIEW: Nadine Baumann

Trump and Tibetans

A lot of things have been written on Trump and China so far and there is surely more to come.[1] Some experts who have been working on China for decades seem to be worried and some others clueless about the Trump administration’s future course.[2] Tibetans and their supporters while dwelling on the subject of future US-China developments and what it means for Tibet face similar problems. It may be wise to maintain a sense of realism and not to be carried away by hopes of Trump producing marvellous solutions for Tibet or to be unreasonably derogatory about this new US administration.

Having said this, there is no question that we should be extremely vigilant and be prepared for every development and seize the one opportunity that may change the course of events.

There are some more specific questions that need immediate reaction and should be carefully looked into. I tried to identify some of these pressing issues. The first issue is a meeting of Trump with H.H. the Dalai Lama.

Dalai Lama wishes to meet Donald Trump

We do not know what H.H. the Dalai Lama thinks exactly about this. While in Mongolia in November 2016, he expressed his wish to meet President Trump without being specific about the time frame. On the other hand, we have seen some comments by the Central Tibetan Administration (CTA) suggesting that an early meeting is appreciated. Moreover, CTA has welcomed Rex Tillerson’s response to a list of questions posed by members of the Senate Foreign Relations Committee. Tillerson basically reiterates the US policy held by successive US administrations before.

Should the Dalai Lama meet Trump at this early stage or wait till it’s safer to tell what the Trump administration is heading for? Trump himself has announced some major shifts in US-China relations without giving a real clue on how this would effect Tibet.

It makes a lot of sense to meet Trump as early as possible, I assume, provided there is a clear understanding what we want from the Trump administration and what they are expecting from the Tibetans, and from the Dalai Lama.

As for now, there are still no indications for a dialogue between the Dalai Lama and Beijing and therefore our goals should focus on other areas where progress is achievable at the moment: Strengthening our internal setup in exile and Tibet, revive our supporter base in Asia and in the West, and to find new allies for the Tibetan cause inside and outside China, without alienating our old friends. It would be wrong to meet Trump without checking these strategically important questions. The most difficult issue on the table, however, will be Trump’s challenge to Beijing’s “One-China” policy.

Trump’s challenging „One China” policy
Sikyong Lobsang Sangay, head of the CTA, has openly embraced the new elements that Trump brought in the US-China power equation. He said, referring to Trump’s criticism for the “One China” policy: “That was a very bold commentary coming from president-elect Donald Trump. We do think that boldness with substance is the right approach with the Chinese government.”[3]

This seems to be a new tone from Dharamsala, primarily fed by instinct and hopefully by the same amount of analysis. Though the CTA and the Dalai Lama have never openly endorsed Beijing’s stand on Taiwan, there are many instances that could be interpreted as an accommodation to China’s “One China” policy.[4]

Trump’s intentional disregard for China’s sensitivity on this core issue may very quickly overturn the principles laid down in the Taiwan Relations Act. This could have far reaching implications and could be the seed of a war. It is thinkable that the US’s new position on Beijing’s One China Policy will also lead to some heated internal Tibetan discussions and to a situation where the Sikyong and the Dalai Lama may have notable differences, i.e. to establish more direct and formal relations between Dharamsala to Taipei. It would therefore be better to discuss these issues thoroughly before meeting Trump and making public statements.

Dependency on US aid and political trade-offs
Tibetans and the CTA have become very dependent on US aid and it is very debatable if this is a healthy development. There is at the moment no indication that the Trump administration will link this aid to political trade-offs. But it is imaginable that many of these traditional US-American activities abroad will be reviewed because they are not in line with Trump’s slogan of “America’s First” and “Good Deal Making”. What will happen to the many programs that were enacted to carry America’s vision of a democratic and liberal society to the people of the world? What about the many foreign language services? Will they be funded in the same way and will there be new conditions attached to it from the US side? We do not know. What we know from the 50ties and 60ties is that US-American funding can be more of a curse than a blessing, especially when it dries out.

The majority of Tibetans who play an active part in the movement definitely are in conflict with Trump’s view of the world and his moral standards. Waterboarding, pussy grabbing and locking up political opponents are not the methods we want to see in the governance of the world. However, individual Tibetans may see this differently. There might be some who feel that Trump’s unconventional and controversial attitudes for established political norms are attractive. But, this is their individual opinion and it would be wrong to think of them as the majority. There is a much larger group, I guess, that disagrees with Trump on many issues but hopes for a change in Washington’s China policy that immensely benefited China’s economy since Bill Clinton’s disconnection of human rights from trade but did not lead to any improvements in Tibet and for human rights in China.

It is now the difficult task of the Dalai Lama to meet the new president and establish a good relationship for the benefit of all Tibetans. We shouldn’t be surprised to see images of Trump and the Dalai Lama enjoying themselves though it might be difficult to digest. This is how things go in the world of politics.


Dangerous Times

Experts fear a rapid deterioration of U.S. – China relations.[5] They are alarmed that the Trump administration could drift away on a dangerous collision course. Their judgment, however, is that the US won’t be able to simultaneously handle a multitude of conflicts (Taiwan, trade, North Korea, South China Sea) with China.

On the other hand, according to the majority of analysts, China’s military though it is catching up can’t match the US military force and won’t be able to support China’s political ambitions in the South China Sea.[6] There are many people who believe that a trade war may also end with more irreparable political and economic setbacks for China than for the US. Though it is difficult to appraise these predictions it is quite clear that the US will most probably recover better from a catastrophic Trump presidency than the CCP of a major failure by their leaders. If Trump fails it is one man who will be replaced in the next elections but if Xi fails the whole system is at stake.

Therefore, there are some good reasons to believe that a serious confrontation between China and the US will lead to lasting damage in China. Any sort of severe showdown, be it a military or a trade war will pose a threat to the survival of China’s Communist Party (CCP) and China as we know it today. The knowing of this risk makes Beijing vulnerable and presents to Tibetans an opportunity.

The scenarios that grow out of such an opportunity are unpredictable and range from a China wanting to ally with Tibetans to counterbalance  Beijing-critical groups in Taiwan to a China in disarray led by a new political elite in a less nationalistic and centralistic fashion. We also should be aware of a Trump administration that could use Tibetans and other dissenting groups in China as a bargaining chip and then leave the arena after four years without having achieved anything but chaos.

While being aware about all the intricacies of international politics, of US-China relations and geopolitical factors it is important to understand that in the long run the most enduring support for us Tibetans will be the one based on values such as freedom, human rights, democracy and the people’s right for national self-determination. It looks like Trump’s new world is divided into winners and losers, supporters and enemies, and that there won’t be much understanding for small groups such as we Tibetans and our aspirations. The turmoil leading to this new world may offer us some opportunities but it will be also a very dangerous path to walk. Therefore, let us pray that our leaders guide us with wit, courage and wisdom through these troubled waters.

Wangpo Tethong

Zurich, 9 February 2017

Note by author: On February 9, 2017 President Trump had a phone call with President Xi of China. A White House statement released on late Thursday, 9 February 2017 said: “The two leaders discussed numerous topics and President Trump agreed, at the request of President Xi, to honor our one-China policy.” It seems that Trump backed down from his relativisation of the one-China policy. Analysis and more information of further developments is needed before getting to a solid conclusion.


[1]   I would like to thank Migmar Dhakyel, Tsedon Khangsar, Dechen Pemba, Tsewang Norbu, Tenam and Tenzin Sewo for their comments and edits on the first draft that was inspired by Kyinzom Dhongdue’s facebook post. I hope to initiate a debate that should be led by people who have more wisdom and knowledge than me.

[2]  Prominent group of US China experts presented a report on U.S.-China Policy on February 7, 2017. On Tibet, there were no new recommendations. See here for the full report: http://asiasociety.org/

[3]     See Interview Lobsang Sangay with Elizabeth Roche – Live Mint, 19 December 2016 www.livemint.com

[4]      See for more Tibet, Taiwan and China – A Complex Nexus by Tshering Chonzom Bhutia in The Diplomat. www.thediplomat.com

[5]   Trump’s China policy represents a very different approach compared to any other president. See here:  www.theguardian.com

[6]      In a report by the Rand Coporation: „Over the past two decades, China’s People’s Liberation Army has transformed itself from a large but antiquated force into a capable, modern military. Although China continues to lag the United States in terms of aggregate military hardware and operational skills, it has improved its relative capabilities in many critical areas.” See her for the full report: http://www.rand.org/

The Value of Protest

Over the last few days, Swiss television has shown the footage of the historic 1999 protest by Tibetans against Jiang Zemin over and over again. It feels good to see that something like that had a lasting effect. When Jiang Zemin came to Switzerland in 1999, I was on Parliament Square in Bern and this time, 18 years after, I was again there for Xi Jinping.

The media response to the protest is overwhelming. Journalist, social media reporters and foreign correspondents were on site and fed live on the arrests. Prominent Swiss bloggers and analysts immediately put this in a political context and expressed a very widespread view that the arrest of the 32 peaceful protesters was not correct. A majority of the comments are critical that this should have been handled less heavy handed by the authorities. This discussion will go on for some while, surely in the Parliaments (local and national) and maybe in the Swiss courts.

Though a lot has been written in the past hours and days, there are two aspects that must be looked into a bit more closely.

1. The impact of such protests on western countries: Though the protest of 1999 is considered to have been a blow to Swiss-Chinese relations, it did not result in any negative consequences. On the contrary, Switzerland was the first country from the European continent to sign a free trade agreement with China.

2. The effect of such protests on Chinese leaders: President Xi had to shun the public and sneak into the Parliament building like a thief. Had we not protested back in 1999 and afterwards, this may have not happened. Xi might have been received like a real statesman.

There are some cynical voices saying that protests are useless. This is definitely not true. It was revealing to see what kind of precautions were taken to hide Xi Jinping from the Swiss public. The reception that the Chinese carefully arranged with the Swiss authorities included the same poor tactic of lining up Chinese citizens to stand with Communist style banners.

However, re-arranging reality has its limits. The whole scene was so bereft of spontaneity and a display of political paranoia measured in the numbers of polices forces uselessly standing in the middle of nowhere. The visit was a demeaning day of disgrace for supposedly one of the most powerful men on this planet.

This will continue as long as China’s Communist leaders fail to transform their system into a democratic society and finally rule on the basis of principles that are universally accepted. Our duty and most effective strategy as Tibetans is to recall these principles and continue our protests for the freedom of our people.

Wangpo Tethong

16 January 2017